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Unglück in Genua
Ingenieur der Morandi-Brücke warnte 1979 vor Risiko durch Rost

Schon vor fast 40 Jahren schrieb der Ingenieur Riccardo Morandi, die nach ihm benannte Brücke müsse ständig kontrolliert werden. Umwelteinflüsse könnten die Widerstandskraft des Betons beeinflussen.

Der Ingenieur, der die eingestürzte Brücke in Genua entworfen hat, warnte bereits 1979 vor den Gefahren der Korrosion. Die nach ihm benannte Brücke müsse beständig gewartet werden, schrieb Riccardo Morandi in einem Bericht, aus dem der Fernsehsender RAI am Sonntag Auszüge veröffentlichte.


Beim Einsturz eines großen Teils der Autobahnbrücke am Dienstag starben 43 Menschen. Mindestens 16 Menschen wurden bei dem Unglück zum Teil schwer verletzt.

Morandi schrieb 1979, dass die Meeresluft und Abgase von einem nahe gelegenen Stahlwerk bereits zu einem „bekannten Verlust der chemischen Oberflächenresistenz des Betons“ geführt hätten. Er bestätigte, dass die Konstruktionsweise der Brücke zuverlässig sei, warnte aber: „Früher oder später, vielleicht in ein paar Jahren, wird es nötig sein, eine Behandlung anzuwenden, die aus der Entfernung von allen Rostspuren besteht.“



Während eines Unwetters war am 14. August ein großer Teil der Morandi-Brücke zusammengebrochen. Etwa 30 Fahrzeuge stürzten 45 Meter in die Tiefe. Ermittler untersuchen derzeit, ob das Bauwerk wegen statischer Mängel oder schlechter Wartung eingestürzt ist. Die Betreiberfirma der Brücke, Autostrade per l'Italia, sagte 500 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Brücke sowie für Hilfen an die Betroffenen des Unglücks zu. Italiens Regierungschef Giuseppe Conte rief am Mittwochabend den Notstand in der Stadt aus. Der Ausnahmezustand soll für zwölf Monate gelten.

Italien nahm am Samstag mit einem landesweiten Trauertag Abschied von den Opfern des Unglücks. Die italienische Regierung kündigte als Konsequenz aus dem Brückeneinsturz ein umfassendes Infrastrukturprogramm an. Die Behörden in Genua stellten nach dem Fund der Leichen der letzten drei Vermissten die Suche nach weiteren Opfern in den Trümmern der Brücke ein.

(juju/AP/reu)