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Mit 66 Jahren Mutter

London. Elizabeths runder Bauch ist nicht zu übersehen. Und die hochschwangere Frau versucht auch gar nicht, ihre Rundungen zu verbergen. Dabei schütteln manche Engländer ungläubig den Kopf, wenn sie die werdende Mutter sehen. Und fangen an zu lästern: Wenn Elizabeths Kind in die Pubertät kommt, wird sie selbst schon 80 Jahre sein, vorausgesetzt, sie erreicht dieses Alter überhaupt Von dpa-Mitarbeiter Thomas Pfaffe

London. Elizabeths runder Bauch ist nicht zu übersehen. Und die hochschwangere Frau versucht auch gar nicht, ihre Rundungen zu verbergen. Dabei schütteln manche Engländer ungläubig den Kopf, wenn sie die werdende Mutter sehen. Und fangen an zu lästern: Wenn Elizabeths Kind in die Pubertät kommt, wird sie selbst schon 80 Jahre sein, vorausgesetzt, sie erreicht dieses Alter überhaupt. Denn Elizabeth ist 66 Jahre alt, im Großmutter-Alter. Doch sie ist dank einer künstlichen Befruchtung im achten Monat schwanger. Wenn alles gut geht, wird sie im Juni entbinden. Dann würde sie - wenige Wochen vor ihrem 67. Geburtstag - Großbritanniens älteste Gebärende sein. Elizabeth sieht in ihrem Alter kein Problem: "In meinem Betrieb arbeiten viele junge Frauen für mich, und ich bin fitter als die Hälfte davon", sagte die Geschäftsfrau dem "Sunday Mirror". Außerdem sieht sie gar nicht ein, dass sie sich verteidigen muss. "Das geht nur mich und mein Baby etwas an, niemanden sonst." Aus einer geschiedenen Ehe hat Elizabeth drei Stiefkinder. Doch der sehnlichste Wunsch der wohlhabenden Geschäftsfrau aus der Grafschaft Suffolk im Osten Englands war es, ein eigenes Kind zu haben. Aber für eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege war es zu spät, und eine künstliche Befruchtung in Großbritannien kam nicht infrage. Das staatliche Gesundheitssystem NHS wie auch private Kliniken lehnen Befruchtungen von Frauen in Elizabeths Alter ab.Spender-Ei und SpermaWeniger Bedenken hatte eine Klinik in der Ukraine, die schon mehreren älteren Frauen ihren Kinderwunsch mittels Spender-Ei und Sperma erfüllt hatte. Es klappte auch bei der 66-Jährigen. Die Schwangerschaft ist bislang gut verlaufen. "Sie geht von montags bis freitags zur Arbeit", erzählt eine Freundin. Eine künstliche Befruchtung für Frauen dieses Alters ist äußerst umstritten. Ärzte warnen vor gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind. Kritik kam auch von der Kirche: "Ein Kind ist ein Geschenk, kein Recht", sagte ein Sprecher der Anglikanischen Kirche. Eine Lanze für die Mutterschaft im hohen Alter bricht dagegen die Britin Susan Tollefsen, die 2008 ihre Tochter Freya im Alter von 57 Jahren zur Welt brachte. "Ich weiß, dass es viele für egoistisch hielten, ein Baby mit 57 zu bekommen, aber Freya könnte nicht mehr geliebt werden. Wenn ich gesund bleibe, sehe ich keinen Grund, dass ich nicht selbst 80 oder 90 werde und sehe, wie sie erwachsen wird."