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Mexikos Drogenbaron gefasst

In seinem Heimatland Mexiko war er eine Legende und galt einst als einer der reichsten Männer der Welt: Joaquín Guzmán schmuggelte als Chef des Sinaloa-Kartells tonnenweise Kokain und war jahrelang auf der Flucht. Nach seiner Festnahme bringen sich nun potenzielle Nachfolger in Stellung. Von Andrea Sosa, Sandra Parra und Denis Düttmann (dpa)

Mexiko-Stadt. Einst zitterte ganz Mexiko vor ihm, jetzt zerren ihn zwei vermummte Marine-Infanteristen über eine Landepiste. Mit gebeugtem Haupt und leerem Blick wirkt Joaquín "El Chapo" Guzmán zwischen den kräftigen Soldaten fast ein wenig verloren. Der legendäre Chef des Sinaloa-Drogenkartells bestimmte in seinem Einflussgebiet jahrelang über Leben und Tod. Er schmuggelte tonnenweise Kokain und brachte es auf die "Forbes"-Liste der reichsten Menschen der Welt. Nun sitzt der mächtigste Capo der Welt im Hochsicherheitsgefängnis Altiplano hinter Gittern.

Die Festnahme von Guzmán am Samstag in der Hafenstadt Mazatlán ist der bislang größte Erfolg der Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto im Kampf gegen die Drogenkartelle. Im vergangenen Jahr war bereits der Chef der "Los Zetas", Miguel Ángel Treviño Morales, gefasst worden, doch niemand steht für den Narco-Staat Mexiko wie "El Chapo".

Viele Legenden rankten sich um den Kartellboss, von dem es bislang nur wenige Fotos gab. 1993 war er in Guatemala schon einmal festgenommen und nach Mexiko ausgeliefert worden. Versteckt unter Schmutzwäsche und wohl mit Hilfe der Wächter gelang ihm 2001 indes die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis. Seitdem war Guzmán wie vom Erdboden verschwunden und sein Ruhm wuchs mit jedem Tag.

Folkloregruppen feierten "El Chapo" in ihren Liedern. Es wurden Bücher über ihn geschrieben. Jedes Kind in Mexiko kennt den mächtigsten Kartellchef und meistgesuchten Drogenhändler der Welt.

Fast schon mit einem gewissen Respekt bezeichnete die US-amerikanische Antidrogenbehörde DEA Guzmáns Sinaloa-Kartell als multinationalen Großkonzern des organisierten Verbrechens. "Verglichen mit ‚El Chapo' Guzmán war Al Capone ein Amateur", sagte der Präsident der Chicago Crime Commission, J.R. Davis, im vergangenen Jahr.

Guzmán war ein Mythos, doch er stand auch für die alte Generation der Drogenhändler. Die "Los Zetas", die sich hauptsächlich aus ehemaligen Mitgliedern von Spezialeinheiten rekrutieren, und die Bande um die Brüder Beltrán Leyva hatten sein Kartell mächtig unter Druck gesetzt.

Die Festnahme von "El Chapo" ist ein schwerer Schlag für das Sinaloa-Kartell - sicherer dürfte Mexiko deshalb aber zunächst nicht werden. Nach Guzmáns Festnahme könnten interne Machtkämpfe um seine Nachfolge beginnen, heißt es in einer Analyse des auf Sicherheitsthemen spezialisierten Nachrichtenportals "Insight Crime". Experten geben schon länger zu bedenken, dass jede Festnahme ein Machtvakuum schafft und so erst einmal zu mehr Gewalt führt.