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Valentinstag
Liebesbotschaften in Zeiten von Whatsapp

In der digitalen Liebeskommunikation verraten Emojis oft mehr über Gefühle als der eigentliche Text.
In der digitalen Liebeskommunikation verraten Emojis oft mehr über Gefühle als der eigentliche Text. FOTO: Fabian Sommer / dpa
Koblenz/Darmstadt. Im Liebesbriefarchiv in Koblenz ist jeden Tag Valentinstag. „Schatz“ ist seit über 100 Jahren der beliebteste Kosename.

„Hallo Hase...“, „Meine Liebste...“, „Liebes Bärchen...“, „Hi Schatz...“ – schriftliche Liebesbotschaften stehen zum Valentinstag an diesem Mittwoch hoch im Kurs. „Paare posten zum Beispiel auf Facebook jetzt vieles, was ihre Verbundenheit zeigt“, sagt Eva Wyss. Sie muss es wissen. Denn sie ist die Hüterin des Liebesbriefarchivs an der Uni Koblenz. „Man zeigt mit diesen neuen Formaten des Liebesbriefs auch seinen Freunden, dass man die Beziehung pflegt.“ Das Universitäts-Archiv umfasst etwa 17 000 Briefe, Karten, SMS und E-Mails. Kurzmitteilungen per Whatsapp sammelt Wyss extra. „Unser ältester Liebesbrief stammt aus dem Jahr 1836“, sagt die Professorin für Sprachwissenschaft.



Im Internet dürfte der Valentinstag der Tag mit den meisten Liebes-Postings im Jahr sein, vermutet Wyss. In den handschriftlichen Liebesbriefen ihrer vor 21 Jahren gegründeten Sammlung sei dagegen nur selten von diesem Tag die Rede. „Das ist eine neuere Entwicklung, dass man den Valentinstag auch in Deutschland feiert.“ In der digitalen Liebeskommunikation werden die Texte kürzer und die Bilder wichtiger: Fotos, Symbolbilder, Grußkarten: „Das Bild untermalt nicht mehr den Text, sondern es ist oft umgekehrt“, sagt Wyss. „Emojis (Bildsymbole) zeigen unsere Gefühlslage, sie gehören zum Internetcode.“

Schatz oder Schatzi ist der häufigste Kosename in Liebesbriefen – schon seit dem 19. Jahrhundert, wie Linguistik-Professorin Andrea Rapp von der Technischen Universität Darmstadt berichtet, die zusammen mit Wyss forscht. Liebespaare sprächen sich seit rund 100 Jahren aber auch gerne mit Hase, Bär oder einfach mit Liebste(r) an. Dabei gebe es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Sowohl Männer nutzen diese konventionellen Anreden als auch Frauen. Der handgeschriebene Liebesbrief sei zwar seltener geworden, in Zeiten von Fernbeziehungen aber keineswegs ausgestorben, sagt Rapp. Ob digital oder auf Papier: „Es wird sehr viel geschrieben.“

Zum Fundus der Wissenschaftlerinnen gehören Liebesbriefe, die das ganze Leben eines Paares abbilden. Maschinengeschriebene Briefe mit Lippenstiftküssen und „Zettelchen mit Botschaften, die man sich aufs Kopfkissen legt“ sind auch dabei. Zeichnungen finden sich auch, oft mit Tieren, darunter auch aktuell Bilder der „Diddl“-Maus. „Tiervergleiche sind in Liebesbriefen sehr beliebt“, berichtet Forscherin Rapp und nennt als Beispiele „Du bunter Schmetterling“ oder „das Bienchen, das den Honig bringt“. Sprachwissenschaftlerin Wyss berichtet von einer Frau, die in den 1920er und 1930er Jahren Liebesbriefe von „17 verschiedenen Herren bekam, auch parallel“.

berhaupt seien es hauptsächlich Männer, die Liebesbriefe schreiben, berichtet Rapp. Dies hänge mit ihrer Rolle zusammen: „Sie mussten früher um die Frau werben, die Beziehung in Gang bringen und festigen.“ Die Frau musste sich dagegen – so wollte es die Konvention – in ihren Äußerungen zurückhalten. „Das wurde später gelockert und auch im Laufe einer Beziehung.“



„Ich liebe Dich!“ – „Dieser Satz kommt erst relativ spät auf“, berichtet Rapp. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts finde er sich häufiger in den Briefen, meist am Ende. Mit der Schlussformel vergewisserten sich die Liebesbriefschreiber, „dass der Kommunikationskanal weiter offen ist.“ Dafür stünden Sätze wie „Schreib‘ mir ganz bald wieder“. Dies gelte auch noch in der digitalen Welt: „Wenn einer drei Smileys schickt, erwartet er drei Herzen zurück.“