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Lieber Romantik als Porno

München. Zum zweiten Mal nach 2006 wurden im Auftrag der Jugendzeitschrift "Bravo" Jungen und Mädchen zum Thema Liebe, Körper und Sexualität befragt. Damit die Atmosphäre möglichst vertraut und ungezwungen war, antworteten die mehr als 1200 Teilnehmer zwischen elf und 17 Jahren jungen Interviewern des gleichen Geschlechts daheim und ohne Eltern Von ddp-Korrespondentin Marina Antonioni

München. Zum zweiten Mal nach 2006 wurden im Auftrag der Jugendzeitschrift "Bravo" Jungen und Mädchen zum Thema Liebe, Körper und Sexualität befragt. Damit die Atmosphäre möglichst vertraut und ungezwungen war, antworteten die mehr als 1200 Teilnehmer zwischen elf und 17 Jahren jungen Interviewern des gleichen Geschlechts daheim und ohne Eltern.Zwei Drittel der Jugendlichen in Deutschland haben demnach schon Erfahrungen mit pornografischen Bildern oder Filmen gemacht. Bei den 11- bis 13-Jährigen sahen sich 42 Prozent bereits pornografische Produkte an, bei den 14- bis 17-Jährigen sind es 79 Prozent. Nur ein sehr kleiner Teil der Heranwachsenden nutze derartige Inhalte aber regelmäßig, hob Marthe Kniep, Leiterin des "Dr.-Sommer-Teams" hervor. "Aus unserer Sicht kann deshalb von einer 'Generation Porno' keine Rede sein."Sehnsucht nach LiebeErneut belegte die Untersuchung eine große Sehnsucht der Heranwachsenden nach Romantik und Liebe. Die Mädchen und Jungen verlieben sich dabei ein Jahr früher als noch vor drei Jahren. So gab diesmal die Mehrheit der 13- bis 15-Jährigen an, bereits einen festen Freund oder eine Freundin gehabt zu haben."Erstes Mal" mit 16 oder 17Die Studie räumt weiter mit dem Klischee auf, dass die Jugendlichen immer früher Sex hätten. Nach wie vor erlebten die meisten Mädchen und Jungen "das erste Mal" im Alter zwischen 16 und 17 Jahren. Beim Kenntnisstand über die möglichen Verhütungsmethoden weisen die Heranwachsenden große Wissenslücken auf. Ein Viertel denkt, die "Pille danach" sei ein normales Verhütungsmittel, jeder Fünfte hält "Aufpassen" für eine geeignete Methode. 28 Prozent verzichten manchmal komplett auf Verhütung. "Bauchschmerzen" bereitete den Autoren der Studie auch die "drastisch" gesunkene Zufriedenheit der Mädchen mit ihrem Körper. Waren 2006 noch zwei Drittel der Mädchen mit ihrem Aussehen zufrieden, sind es jetzt nur noch 56 Prozent. Jedes vierte Mädchen würde sogar zu einer Schönheits-OP "Ja" sagen. Kniep appellierte an die Eltern, nicht leichtfertig mit Kritik am Aussehen der Kinder umzugehen. "Das kränkt ernsthaft."Auch beim Thema Alkohol zeigte die Studie bedenkliche Ergebnisse: Mit 15 Jahren war jeder zweite deutsche Jugendliche schon einmal betrunken. Ein Viertel der Elf- bis 17-Jährigen hatte dabei sogar schon einen Filmriss.