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Liebender Vater oder Giftmischer?

Potsdam. Selbst am Krankenbett soll der Vater nicht von seiner kleinen Tochter abgelassen und ihr ein Giftgemisch verabreicht haben. Weil sie einer neuen Beziehung im Weg stand? Die Justiz steht vor vielen offenen Fragen. Agentur

Seine Schilderungen sind die eines liebenden und besorgten Vaters. Doch er soll mit giftigen Flüssigkeiten versucht haben, seine kleine Tochter zu töten. Wegen versuchten Mordes muss sich der Mann aus Schleswig-Holstein deshalb seit gestern vor dem Potsdamer Landgericht verantworten. Der 36-Jährige bestreitet die Vorwürfe. "Ich liebe meine Kinder", sagt der Tierpfleger . Zwar bezichtigt der unscheinbare Mann die Mutter des Mädchens nicht direkt, sagt aber: "Ich weiß, dass ich meiner Tochter nie etwas antun könnte." Demnach bliebe nur seine Ex-Partnerin.

Hinter Emelie liegt ein Martyrium. Über mehrere Wochen wurde dem acht Monate alten Mädchen 2014 ein Gift-Cocktail verabreicht. Das Kind fiel ins Koma und schwebte in Lebensgefahr. Nach der Festnahme des Vaters Anfang Juli erholte es sich. Für die Staatsanwaltschaft ist die Sache klar: Nach ihrer Sicht verabreichte der Angeklagte seiner Tochter vom 19. März bis 29. Juni Desinfektionsmittel oder zitronensäurehaltige Reinigungsmittel. Selbst als sein Kind im Krankenhaus lag und sich in einem "lebensbedrohlich komatösen Zustand" befand, soll der Mann nicht von dem Mädchen abgelassen haben. Sein mögliches Motiv: Die Tochter sei eine Belastung für den 36-Jährigen gewesen und habe ihm bei einer neuen Beziehung im Weg gestanden, erklärt Staatsanwalt Gerd Heininger.

Weil Emelie nicht mehr zunahm und wuchs, kam sie ab März 2014 immer wieder ins Krankenhaus. Erst in Schleswig-Holstein, schließlich in Brandenburg an der Havel. Dort schöpften die Ärzte Verdacht: Der Zustand des Mädchens verschlechterte sich immer im Beisein der Eltern. Abgesehen von Medizinern und Pflegepersonal waren sie die einzigen, die Zugang zu dem Mädchen hatten.

Die Ärzte vermuteten hinter der Tat ein sogenanntes Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom: Dabei macht ein Mensch einen anderen bewusst krank oder täuscht eine Krankheit vor, um Zuwendung zu erreichen. Häufig sind es Mütter, die ihr Kind auf diese Weise misshandeln. Anfangs ermittelte die Staatsanwaltschaft Potsdam auch gegen Emelies Mutter. Doch dann konzentrierte sich der Verdacht auf den Vater. Der 36-Jährige sitzt seit Anfang Juli 2014 in Untersuchungshaft. Das Paar, das noch einen gemeinsamen Sohn hat, ist inzwischen getrennt.

Gekriselt hat es wohl schon länger. Nach Schilderung des Angeklagten wollte seine Ex-Partnerin das zweite Kind nicht. Nach der Geburt sei sie mit sich unzufrieden gewesen. "Unsere Beziehung hat dadurch gelitten", berichtet der Tierpfleger . Zu dem Sohn habe die Frau eine innigere Beziehung gehabt als zur Tochter. Sich selbst schilderte der Angeklagte als fürsorglichen Vater.

Emelies Rechtsanwältin Manuela Krahl-Röhnisch sagt, dem Mädchen gehe es inzwischen wieder gut. "Es ist sehr aufgeweckt", berichtet sie. Die Kleine kam zunächst zu einer Pflegefamilie, inzwischen lebt sie wieder bei ihrer Mutter, die das Sorgerecht hat. "Sie hat einen gesunden Appetit: Wie eine kleine Raupe Nimmersatt."