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Köche feiern Frankreichs Küche

Paris/Blieskastel. Mehr als 1000 Restaurants in 150 Ländern feiern heute die französische Küche. Außenminister Laurent Fabius hatte die Aktion gestartet, um den Ruf der „cuisine française“ aufzupolieren. Christine Longin

Die Inszenierung könnte nicht pompöser sein: Im Schloss von Versailles mit seinen üppigen Goldornamenten und Kristalllüstern empfängt Außenminister Laurent Fabius heute die in Frankreich akkreditierten Botschafter. Die Diplomaten beschäftigen sich im Palast des Sonnenkönigs nicht mit den Krisenherden der Welt, sondern mit einem erfreulichen Thema - der französischen Küche. Allerdings hat "la cuisine française" in den vergangenen Jahren an Glanz verloren. Statt französischen Starköchen räumen inzwischen die Küchenchefs aus Skandinavien bei Kochwettbewerben wie dem Bocuse d'Or ab. Immer wieder wird ihre Kreativität gelobt, die der französischen Küche zu fehlen scheint.

Zeit also für den Außenminister, der auch für Tourismus zuständig ist, etwas zu tun. Und so kam Fabius zusammen mit Sternekoch Alain Ducasse die Idee zu "Goût de France - Good France", einer gigantische PR-Aktion für die französische Küche. Rund 1300 Küchenchefs aus allen fünf Kontinenten machen heute mit, um für die französische Gastronomie zu werben. "Das wird ein Tag, der im Zeichen der Exzellenz der französischen Küche in der Welt steht", erklärt Fabius.

Deutlich poetischer drückt es Alain Ducasse aus: "Von der französischen Küche zu sprechen, bedeutet, von Lebensfreude, Leichtigkeit, Optimismus und Vergnügen zu sprechen." Seit dem Jahr 2010 ist die französische Gastronomie Teil des Unesco-Kulturerbes. Die Franzosen erhoffen sich, dass mit der Auszeichnung als Kulturgut auch die Tradition des Mahls à la française erhalten bleibt. Denn im Land der Feinschmecker bedroht Fast Food zunehmend die Essgewohnheiten.

Außerdem hat angesichts des Touristenansturms auch die Qualität vieler Restaurants nachgelassen. Gerade in Paris kritisieren Reisende hohe Preise und schlechten Service für ein mittelmäßiges Essen. Eine Kritik, die Frankreich nicht auf sich sitzen lassen will. Und so führte die Regierung 2013 das Label "fait maison" ein, um zu zeigen, dass die Speisen wirklich mit frischen Produkten vor Ort zubereitet sind und nicht aus der Tiefkühltruhe kommen. Denn immerhin ein Drittel der französischen Restaurants hatte zugegeben, auf Fertigprodukte zurückzugreifen.

Für die Restaurants, die heute bei der Aktion mitmachen, gilt ohnehin das Frischegebot. In Deutschland sind es rund ein Dutzend, darunter das "Barrique" von Sternekoch Cliff Hämmerle in Blieskastel. Das französische Konsulat hat ihn angesprochen, und Hämmerle hat spontan "Ja" gesagt. Schließlich pflege man speziell die französische Küche sowie regionale Besonderheiten. "Das war klar, dass wir solch eine Aktion unterstützen", sagte Hämmerle auf SZ-Anfrage. Wie alle anderen Teilnehmer hat er für den heutigen Tag ein spezielles Menü kreiert, gemäß folgender Vorgaben: Eine kalte und eine warme Vorspeise, Fisch, Fleisch, Käse und ein Dessert mit Schokolade sollen auf der Speisekarte stehen. Wer auf einen Platz bei Hämmerle gehofft hat, wird jedoch enttäuscht sein. Sein Restaurant ist heute komplett ausgebucht.