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Zum 75. Geburtstag von Klaus Maria Brandauer
Hommage an einen Schauspiel-Berserker

Das Fernsehen würdigt Klaus Maria Brandauer zu dessen 75. Geburtstag mit mehreren Filmen. Von Cornelia Wystrichowski

Bond-Bösewicht und Burgschauspieler, Intellektueller und Hollywoodstar: Klaus Maria Brandauer hat viele Gesichter. Der Österreicher gehört zu den bedeutendsten Schauspielern deutscher Sprache – doch an dem schillernden Charakterdarsteller scheiden sich seit jeher die Geister. Seine Launen sind legendär, ein Interview mit ihm gleicht einem Tanz auf dem Vulkan. Bei einer Theaterprobe zur „Dreigroschenoper“ soll er erst ein Kamerateam und dann eine Zeitschriftenreporterin rausgeworfen haben – nur eine von vielen Anekdoten, die sich um Brandauer ranken. Am 22.6. wird er 75 Jahre alt, das Fernsehen würdigt ihn schon ab 17.6. mit der Ausstrahlung mehrerer seiner Filme.


Obwohl seine Liebe stets dem Theater galt, stand Brandauer auch immer wieder fürs Fernsehen vor der Kamera – so 2013 für das Alzheimer-Drama „Die Auslöschung“, das am 17.6. (23.45 Uhr) im SWR und am 20.6. (00.30 Uhr) im BR wiederholt wird. In dem bewegenden Film verkörpert der Starschauspieler auf beklemmende Weise den geistigen Zerfall eines Kunsthistorikers, der an Alzheimer erkrankt, Martina Gedeck ist als seine Lebensgefährtin zu sehen. Am 20.6. zeigt das Bayerische Fernsehen außerdem den Film, der Brandauers Durchbruch bedeutete: die Klaus-Mann-Verfilmung „Mephisto“, die 1982 mit dem „Oscar“ als bester fremdsprachiger Film gewürdigt wurde – Brandauers Auftritt gilt als Sternstunde der Schauspielkunst.

Maria Brandauer ist ein Künstlername

Brandauer kam am 22.6.1943 in Bad Aussee in der Steiermark als Klaus Georg Steng zur Welt, als Künstlernamen wählte er den Namen seiner Mutter Maria Brandauer. Sein Schauspielstudium in Stuttgart brach er nach zwei Semestern ab, 1972 wurde er Mitglied am Wiener Burgtheater. Shakespeares Hamlet, den er dort in den 80er Jahren verkörperte, bezeichnete Braundauer einmal als seine liebste Rolle – der zerrissene Dänenprinz auf der Suche nach sich selbst habe ihn schon als Kind fasziniert. Beim Publikum sind jedoch andere Partien Brandauers populärer: 1983 spielte er den Bösewicht Maximilian Largo im James-Bond-Film „Sag niemals nie“, obwohl er das Angebot ablehnen wollte. Bond-Darsteller Sean Connery überzeugte ihn angeblich persönlich mit den Worten „We will have a lot of money and a lot of fun“, der Job werde beiden viel Geld und Spaß bringen. Für das Drama „Jenseits von Afrika“ an der Seite von Meryl Streep und Robert Redford erhielt Brandauer den „Golden Globe“ und eine „Oscar“-Nominierung. Der Österreicher, so heißt es, erhielt mehr amerikanische Auszeichnungen als je ein anderer deutschsprachiger Schauspieler.

Auch als Regisseur erfolgreich



Neben seiner Karriere als Darsteller machte sich Brandauer auch als Regisseur einen Namen, unter anderem verfilmte er die Thomas-Mann-Novelle „Mario und der Zauberer“. In Berlin brachte er Brechts „Die Dreigroschenoper“ und in Köln Richard Wagners Oper „Lohengrin“ auf die Bühne. Seit einer Weile ist er mit einer Fassung von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ auf Tournee, in der er sämtliche männliche und weibliche Rollen übernimmt – der Kraftakt eines Schauspiel-Berserkers, der das Publikum immer wieder fasziniert.

Das Älterwerden gehört nicht zu Klaus Maria Brandauers Lieblingsrollen. In einem Interview sagte er schon vor Jahren: „Man bildet sich ein, dass man ein bisschen anständiger behandelt wird, weil man schon ein alter Sack ist, aber das ist eine Täuschung. Ich versuche, mich mit vielen jungen Menschen zu umgeben, was in meinem Beruf auch der Fall ist, und das hält mich ein bisschen jung. Aber Vorteile hat das Altwerden wirklich nicht.“ Seit 2007 ist Brandauer, der am Max-Reinhardt-Seminar in Wien Schauspielschüler unterrichtet, in zweiter Ehe mit der 32 Jahre jüngeren Theaterwissenschaftlerin Natalie Krenn verheiratet, 2014 bekam das Paar einen Sohn. Die Familie lebt in Wien, Berlin, New York und Altaussee in der Steiermark.