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„Jack Ryan“ auf Amazon
„Jack Ryan“: Patriot in Serie

John Krasinski, US-amerikanischer Schauspieler, steht in seiner Rolle als CIA-Agent Jack Ryan vor der Kamera. Er spielt für acht Folgen die von Tom Clancy erdachte Figur.
John Krasinski, US-amerikanischer Schauspieler, steht in seiner Rolle als CIA-Agent Jack Ryan vor der Kamera. Er spielt für acht Folgen die von Tom Clancy erdachte Figur. FOTO: dpa / Jan Thijs
Die Bücher über Jack Ryan sind Klassiker. Amazon Prime verarbeitet sie nun als Miniserie.

Wenn Victor einen Menschen tötet, bekommt er einen Dollar. Seine Kollegin in einem Drohnen-Steuerungszentrum des US-Militärs steckt ihm die Geldnote zu. Ihre Opfer sehen die beiden auf einem gestochen scharfen Satellitenbild, über Leben und Tod entscheiden sie per Knopfdruck. Die Sache mit dem Dollar ist eine Art zynische Wette. Victor hat eine der kargen Wände in seinem Schlafzimmer mit den Geldscheinen tapeziert. Doch die Trophäen sind für den US-Soldaten gleichsam ein Fluch, der ihn nachts nicht schlafen lässt. Selbst im Casino wird er die Banknoten nicht los. Und je mehr Dollars dazukommen, desto mehr plagt ihn sein Gewissen.


Victor ist eine der vielen zweifelnden Figuren in der achtteiligen Amazon-Serie „Tom Clancy‘s Jack Ryan“ – Start ist am Freitag, 31. August. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Arbeit der US-Geheimdienste im Kampf gegen den Terror. Im Zentrum steht aber kein Agent à la James Bond oder Mission Impossible. Jack Ryan (John Krasinski) ist eigentlich Finanzexperte. Hochintelligent und trainiert – aber einer, der morgens mit Fahrrad und Rucksack ins Büro fährt.

Jack Ryan ist eine vom inzwischen verstorbenen US-Autor Tom Clancy erdachte Romanfigur, die übrigens nichts mit dem Soldaten James Ryan aus Steven Spielbergs gleichnamigem Weltkriegsepos zu tun hat. Clancy schrieb dicke, patriotische Politthriller, meist mit Ryan in der Hauptrolle, die in fast jeder Bahnhofsbuchhandlung zu finden sind.



In acht Folgen erzählt die Serie eine Geschichte rund um den Kampf gegen Terror und gegenwärtige Konflikte im Nahen Osten. Die großen US-Militäreinsätze in der Region sind vorbei, aber die Geheimdienste sind noch da. Jack Ryans Gegenspieler in der Serie ist Mousa bin Suleiman. Geflohen aus dem Libanon, teils aufgewachsen in Frankreich, ist Suleiman der Kopf einer aufstrebenden Terrororganisation.

„Tom Clancy‘s Jack Ryan“ stellt immer wieder Bezüge zu dem her, was man gemeinhin über islamistische Terroristen und ihre Organisationen weiß. Vieles wird aber nur gestreift. Wer gut und wer böse ist, machen die Serienmacher meist unmissverständlich klar.

Der spannende Plot der Serie funktioniert gut, auch wenn er etwas gradliniger ist als die komplexen Geschichten anderer zeitgenössischer US-Serien. Wer sich am latenten US-Patriotismus nicht stört, der kann Gefallen an der actiongeladenen Politserie finden. Außerdem: Wer steht schon nicht gern auf der Seite der „Guten“?

(RP/dpa)