| 00:00 Uhr

Hilfe für geschlagene Männer

Stuttgart. Ohrfeigen, Tritte – wenn Frauen gewalttätig werden, wissen Männer oft nicht, an wen sie sich wenden sollen. Männer, die von Frauen geschlagen werden, sind ein Tabuthema. Stuttgart will das ändern. Agentur

Peter K. ist Mitte 40. Seine Frau schlägt ihn. Zurückschlagen kommt für ihn nicht in Frage. Die Schläge seiner Frau werden immer heftiger. Sie geht zur Täterinnenberatung, steigt aber schnell wieder aus. Im Internet findet Peter K. eine Männerberatung. Dort erhalten Männer , die Opfer häuslicher Gewalt werden, Unterstützung. Frauengewalt ist bundesweit immer noch ein Tabuthema. Die Stadt Stuttgart will mit einem Pilotprojekt dieses Tabu aufbrechen.

Die Stuttgarter Initiative "Gewaltschutz für Männer " soll Hilfe und Beratung bieten, wenn die Partnerin handgreiflich wird. Auch drei Schutzwohnungen sollen eingerichtet werden, in denen Männer in Sicherheit gebracht werden können, kündigt Projektleiterin Ursula Matschke von der Stabsstelle für Chancengleichheit an.

Bundesweit gebe es bisher nur wenig Anlaufstellen für geschlagene Männer . Zudem würden diese meist ehrenamtlich betreut. Stuttgart plane ein Angebot mit einem festen Beratungsteam. 400 000 Euro stehen dafür zur Verfügung. An ein Männerhaus, wie es etwa das niedersächsische Oldenburg hat, sei nicht gedacht. Auch weil sich Männer dort aus Scham nicht hinbegeben würden, ist Matschke überzeugt. "Frauen holen sich eher Hilfe. Bei uns sind die männlichen Opfer immer noch Einzelfälle. Aber das entspricht nicht der Realität", sagt auch Karl-Günther Theobald von der Opferhilfe Weißer Ring. Ursache sei das gesellschaftliche Bild von Männern. " Opfer gilt als männliches Schimpfwort", erklärt der Psychologe. Drei Männerhäusern bundesweit stünden 435 Frauenhäuser gegenüber, erklärt Matschke.

Dem Stuttgarter Projekt gehe es um Enttabuisierung, nicht jedoch darum, Gewalt gegen Frauen zu verharmlosen, betonte Markus Beck, Leiter der städtischen Gewaltprävention . Nach wie vor seien die weiblichen Opfer weit in der Überzahl: Nur in zehn bis 20 Prozent der gemeldeten Fälle von häuslicher Gewalt müsse die Polizei dem Mann zu Hilfe eilen. Viele Fälle würden aber gar nicht gemeldet, so Matschke, da es den Männern peinlich sei, von ihrer Frau geschlagen zu werden.

Eine Täterinnenberatung hat Stuttgart schon seit einigen Jahren. Typisch sei, dass die Frauen meist mit einem Gegenstand zuschlagen, berichtet Jürgen Waldmann von der Sozialberatung Stuttgart . "Auffällig oft bedrohen sie den Mann mit einem Messer." Gewalttätige Frauen seien zudem "in allen Gesellschaftsschichten anzutreffen". Recht hoch dürften laut Waldmann auch die Fälle der psychischen Gewalt sein, von der eifersüchtigen Kontrolle bis zur Drohung mit Kindes-entzug. Das sei für viele Männer auch der Hauptgrund, die Schläge und verbalen Attacken ihrer Frauen zu ertragen. Nach wie vor werde Männern nur selten das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen.