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Gesund kochen zum Hartz-IV-Satz

Henriette Brykczynski Foto: dpa
Henriette Brykczynski Foto: dpa
Osnabrück. Kann eine vierköpfige Familie vom Hartz-IV-Satz gesund leben? Die Berliner Schülerinnen Henriette Brykczynski (12) und Celina Dorrmann (13) gingen dieser Frage nach, und belegten mit ihrer Studie einen Spitzenplatz beim Landeswettbewerb von "Jugend forscht" Von dpa-Mitarbeiter Elmar Stephan

Osnabrück. Kann eine vierköpfige Familie vom Hartz-IV-Satz gesund leben? Die Berliner Schülerinnen Henriette Brykczynski (12) und Celina Dorrmann (13) gingen dieser Frage nach, und belegten mit ihrer Studie einen Spitzenplatz beim Landeswettbewerb von "Jugend forscht". An diesem Wochenende stellen beide Mädchen ihre Arbeit beim Bundesfinale des Nachwuchsforscherwettstreits in Osnabrück vor. Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hatte im vergangenen Jahr die Behauptung aufgestellt, dass man sich auch mit einem Hartz-IV-Tagessatz von vier Euro ausreichend ernähren könne. Damit stachelte er auch den Forscherdrang der beiden Schülerinnen an. Systematisch gingen sie der Frage nach, ob die umstrittene Behauptung des Politikers stimmt. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Ja, ein gesundes Essen lässt sich mit einem solchen Budget finanzieren. "Aber die Lebensqualität ist nicht gegeben", betont Celine und berichtet: "Zunächst haben wir uns beim Arbeitsamt eine Tabelle mit den Regelsätzen fürs Arbeitslosengeld II besorgt." Anhand einer konkreten Familie - nämlich der Familie Brykczynski - konstruierten die Nachwuchsforscherinnen einen konkreten Fall: Ihre beiden Eltern würden jeweils 3,90 Euro pro Tag zum Leben bekommen, einer Jugendlichen im Alter von 16 Jahren billigt der Gesetzgeber 3,47 Euro zu, und Henriette als jüngste bekäme 2,60 Euro. Das macht zusammen 13,87 Euro, von der Henriettes Familie am Tag leben müsste, bekämen ihre Eltern Arbeitslosengeld II.Im nächste Schritt informierten sich die beiden bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, wie viel Gemüse, Milch, Fleisch und Obst jeder Mensch am Tag braucht. Auch Nährwerttabellen zogen sie zurate und trugen die Ergebnisse nach Lebensmitteln geordnet in ein Tabellenkalkulationsprogramm ein. Außerdem kochten sie mit dem Tagesbudget ein halbes Jahr lang Mittagessen und stellten verschiedene Frühstücke und Abendessen zusammen. Resultat: "Mit dem Geld kann man tatsächlich eine gesunde Mahlzeit machen", sagt Henriette. Aber viel mehr eben auch nicht.




Henriette Brykczynski Foto: dpa
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