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Fotografie für Geduldige

Berlin. Noch immer haben Drogeriemärkte Filme für Fotokameras im Angebot – bloß für wen? Längst nicht alle Fotografen glauben an den Untergang der Technik. Manche sprechen sogar von einem neuen Trend. Von dpa-Mitarbeiterin Rebecca Ciesielski

Ein genauer Blick durch den Sucher. Passt der Bildausschnitt? Der Finger drückt den Auslöser, hörbar spult sich der Film ein Stück weiter. Nach der Belichtung lässt sich das Foto nicht mehr löschen.

Analog-Fotografen brauchen vor allem eins: Geduld. Das ist viel verlangt, wo inzwischen jeder Smartphone-Besitzer mit einem Klick ein Bild aufnehmen und es mit einem zweiten verschicken kann. Aber trotz Digitaltechnik, Apps und Speicherkarten gibt es sie immer noch: Hobbyfotografen und Profis, die Filme einlegen und sich vor der Entwicklung der Bilder für "matt" oder "glänzend" entscheiden.

Wolfgang Sobeck sitzt in seinem Geschäft im Berliner Stadtteil Kreuzberg und zieht an einer Zigarette. Den Fotoladen hat er vor 32 Jahren eröffnet. In den Vitrinen stehen gebrauchte Kameras, fast ausschließlich analoge. Und da gebrauchte Digitalkameras schnell an Wert verlören, sei er nie richtig in dieses Geschäft eingestiegen. Das sei auch nicht nötig. "Viele meiner Kunden sind mit digital aufgewachsen und wollen jetzt mal richtig fotografieren", sagt Sobeck. Der Großteil derer, die bei ihm Filme abgeben, sei aber älter.

In einer Allensbach-Umfrage gaben 2012 noch 5,1 Millionen Deutsche über 14 Jahren an, ihre Bilder mit einer analogen Kleinbild-Kamera aufzunehmen. Fünf Jahre zuvor waren es jedoch noch fast dreimal so viele. Ist es mit der analogen Fotografie also bald vorbei? Davon geht der Sprecher der Drogieriekette Rossmann, Stephan-Thomas Klose, nicht aus. "Bei Rossmann mache die Entwicklung von Fotofilmen noch die Hälfte der Fotoaufträge und ein Drittel des Umsatzes in der Fotosparte aus. Der Konkurrent dm schätzt die Situation weit weniger positiv ein. "Filme und Filmentwicklung sind bei dm seit Jahren zweistellig im Minus", sagt Geschäftsführer Christoph Werner.

Ähnlich kritisch sieht Viviane Meyer die Situation. Das Geschäft "Foto-Meyer" eröffneten sie und ihr Mann vor 44 Jahren im Berliner Stadtteil Schöneberg. Schon 1995 nahmen sie die ersten Digitalkameras ins Angebot auf. "Damals wurden wir gefragt, wie wir mit digital überhaupt Geld verdienen wollen", erinnert sich Meyer schmunzelnd. Denn sie behielt Recht. Mitte der 1990er Jahre wurden bei "Foto-Meyer" täglich noch rund 1000 Filme abgegeben. "Heute sind es noch etwa 40 pro Tag", sagt Meyer.

Glaubt man allerdings Fotogeschäft-Inhaber Wolfgang Stade im Stadtteil Charlottenburg, gibt es keine Krise. Zumindest nicht im Geschäft mit gebrauchten analogen Kameras. Sie füllen in Stades Geschäft Regale bis an die Zimmerdecke. Früher habe er jedoch mehr Zeit gehabt, um zu Kamera-Auktionen zu fahren. Zum Beispiel nach Japan. Dort sehe es für die analoge Fotografie besser aus als in Deutschland. Im März porträtierte die "Japan Times" einen Händler, der immer mehr Kunden für gebrauchte analoge Kameras finde. Stade meint, die Bewegung der Analog-Fotografen sei in Japan sichtbarer als in Deutschland. Dort werben etwa junge Fotografen auf ihren T-Shirts für analoge Kameras. "Der neue Trend in Japan heißt ‚no pixels'", sagt Stade. Er hofft, dass die Welle nach Deutschland überschwappt.