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Ende des Unrechts nach 22 Jahren

Debra Milke kann auf Genugtuung hoffen. Foto:dpa
Debra Milke kann auf Genugtuung hoffen. Foto:dpa
Phoenix. Der Prozess um ihren ermordeten Sohn Christopher ist für die Deutsche Debra Milke in den USA längst zur unendlichen Geschichte geworden. Sie lebt auf freiem Fuß – doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. dpa-MitarbeiterJohannes Schmitt-Tegge

Sie hat fast ihr halbes Leben in einer Todeszelle im US-Wüstenstaat Arizona verbracht. Nun ist für die gebürtige Berlinerin Debra Milke ein endgültiges Leben in Freiheit in greifbare Nähe gerückt. In einem besonders stark formulierten Urteil ordnete ein Berufungsgericht an, die Mordanklage gegen die 49 Jahre alte Tochter einer Deutschen und eines Amerikaners fallen zu lassen. Gleichzeitig erhoben die Richter schwere Vorwürfe gegen die ermittelnde Staatsanwaltschaft wegen eines "ungeheuren Fehlverhaltens".

Milke sei "begeistert, schockiert und sprachlos", sagte ihr Anwalt Michael Kimerer. Für Milke, die heute zurückgezogen in Phoenix lebt, könnte das zwölf Seiten lange Papier den Anfang vom Ende im wohl dunkelsten Kapitel ihres Lebens bedeuten. Noch erinnern eine elektronische Fußfessel und die hinterlegte Kaution von umgerechnet rund 200 000 Euro daran, dass das letzte Wort zum Mord an ihrem Sohn Christopher, für den sie 22 Jahre im Todestrakt verbrachte, noch nicht gesprochen ist. Zwar entschied das Berufungsgericht zugunsten von Milkes Anwälten. Die Staatsanwaltschaft will den Fall jedoch bis zum Obersten Gerichtshof von Arizona bringen.

Der Fall hatte in den 1980er Jahren in den USA für viel Aufregung gesorgt. Bei ihrer Verurteilung hieß es, Milke habe 1989 zwei Männer angestiftet, ihren damals vierjährigen Sohn Christopher zu töten. Statt dem versprochenen Besuch beim Weihnachtsmann in einem Einkaufszentrum fuhren die Männer den Jungen zu einem trockenen Flusslauf in der Wüste und streckten das Kind mit drei Schüssen in den Hinterkopf nieder. Milke beteuerte stets ihre Unschuld. Die beiden Männer wurden ebenfalls zum Tode verurteilt.

Im Herbst 2013 erklärte ein Berufungsgericht das Urteil wegen mangelnder Beweise schließlich für ungültig. Milke kam auf freien Fuß, unterliegt aber einer nächtlichen Ausgangssperre und darf keinen Alkohol trinken. Christophers Vater gab sich von der Schuld seiner Ex-Frau überzeugt.

Besonders hart trifft das Urteil die Staatsanwaltschaft . Der Fall habe das Justizsystem von Arizona "schwer befleckt", schrieben die Richter. Die zweifelhaften Aussagen des Ermittlers, der Milkes angebliches Geständnis nicht belegen konnte, hätten früher zu einer Wende in dem Prozess führen müssen. Er war mehrfach überführt worden, vor Gericht gelogen zu haben. Das werfe Fragen über die Integrität des Strafrechtssystems auf, stellten selbst die Richter fest.