Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 21:21 Uhr

Eignungstest für Jugendliche?

Köln. Halb zwei mittags und die neun Monate alte Theresa hat noch immer nichts gegessen. Pflegevater Mario (18) ist völlig überfordert: "Das ist nicht genau wie im Knast, aber man kann's vergleichen", ist seine Bilanz. Oje Von dpa-Mitarbeiter Christoph Driessen

Köln. Halb zwei mittags und die neun Monate alte Theresa hat noch immer nichts gegessen. Pflegevater Mario (18) ist völlig überfordert: "Das ist nicht genau wie im Knast, aber man kann's vergleichen", ist seine Bilanz. Oje. Der Privatsender RTL zeigte am Freitag in Köln vor Kinderschützern, Therapeuten und Entwicklungspsychologen erstmals eine Folge seiner umstrittenen Reihe "Erwachsen auf Probe", in der Eltern ihre Babys für einige Tage an Teenager ausleihen.

Zu Beginn der Präsentation bekannte RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger, die Welle der Kritik habe ihn "persönlich relativ betroffen gemacht". In 14 Jahren habe er so was nicht erlebt.

Viele junge Mädchen ohne Ausbildungs- und Berufsperspektive sähen die Mutterrolle als "Ersatzlebensmodell", erläutert Sänger. Die Folge: immer mehr Schwangerschaften bei minderjährigen Mädchen. Hier wolle RTL aufklären. Dieter-Bohlen-Biografin Katja Kessler ("Das Mami Buch"), die in der Reihe als eine Art Über-Nanny auftritt, erläutert im Presseheft: "Jeder Teenager, der nach der Sendung mit der Erkenntnis ins Bett geht: 'Ich lass das noch mal mit der Fortpflanzung' ist ein Riesen-Sieg."

Während der Aufnahmen wurden die Jugendlichen mit den Babys ständig überwacht, betont RTL. Im Ernstfall konnten Erzieherinnen oder auch die richtigen Eltern eingreifen

"Die Kleine kann sich das Genick brechen, so wie du das machst", erklärt ein Vater in der ersten Folge dem 17-jährigen Elvir und nimmt ihm die 14 Monate alte Zoé-Marie wieder ab. Die Eltern bekamen für das Verleihen der Kinder eine "Aufwandsentschädigung im unteren dreistelligen Bereich".

In der anschließenden Diskussion gab es zunächst keine Annäherung zwischen beiden Seiten - im Gegenteil: Der Ton verschärfte sich. Am Ende dann aber doch ein Gesprächsangebot: Sänger sagt zu, dass RTL künftig in ähnlichen Fällen ausführlicher informieren will. RTL will die Serie wie geplant ab 3. Juni ausstrahlen.

Meinung

Der Wahnsinn geht weiter

Von SZ-Redaktionsmitglied

Nele Scharfenberg

RTL gibt sich als Bildungsanstalt: In Zeiten sich häufender Teenager-Schwangerschaften will der Sender jungen Leuten einen Eignungstest fürs Familienleben bieten. Das Motiv ist ehrenhaft. Das Fernsehen ist aber kaum der richtige Ort, um ein so wichtiges Thema zu bearbeiten. Riesige Kamerateams, programmierte Kritik aus allen Richtungen - sicher nicht der richtige Nährboden für tiefgreifende Erfahrungen. Weder für die Teenager noch für die Babys. Doch die Privatsender sind unter Druck, immer neue Reize zu bieten. Normalos unter Dauerbewachung, wilde Teenager nach Australien verfrachtet, Putzaktionen in Chaos-Haushalten und jetzt eben Leihbabys an Teenager - solange die Menschen einschalten, wird der Wahnsinn weitergehen.