| 00:00 Uhr

Dunkle Geschäfte der Rocker auf Mallorca

Palma de Mallorca/Madrid. Prostitution, Erpressung, Drogenhandel, Geldwäsche – die Liste der Vorwürfe gegen die Hells Angels auf Mallorca ist lang. Ihr Anführer soll der Deutsche Frank Hanebuth gewesen sein. Die Polizei hob die Bande jetzt aus. Von SZ-MitarbeiterRalph Schulze

Sie lebten auf großem Fuß. In geräumigen Villen mit Pool. Luxusautos in der Garage, aber auch schnelle Motorräder, auf deren Tanks das Hells-Angels-Symbol prangte - ein Totenkopf mit Flügeln. Nachdem ihnen die Polizei in Deutschland zunehmend das Leben schwer gemacht hatte, verlagerten die Rocker ihre kriminellen Schutzgeld- und Zuhältergeschäfte nach Mallorca. An ihrer Spitze soll der wohl berüchtigtste Hells-Angels-Boss Deutschlands gestanden haben: der 49-jährige Frank Hanebuth aus Hannover, der am Dienstag bei einer Großrazzia auf Mallorca festgenommen wurde.

Die Fahnder hatten ihn seit Monaten beschattet. Jetzt setzten sie ihn auf einer Finca im beschaulichen Örtchen Lloret im Inselzentrum fest. Er soll in dem Dorf bereits vor etwa einem Jahr ein Anwesen gekauft haben.

Wahrscheinlich war es Hanebuth in Hannover, wo er mit seinen Leuten jahrelang das Rotlichtviertel kontrolliert haben soll, zu heiß geworden. Im Mai 2012 hatte die Polizei dort sein Anwesen gestürmt, die Vorwürfe gegen ihn ließen sich damals aber nicht erhärten. Im Juni 2012 verkündete Hanebuth die Auflösung seiner Hells-Angels-Vereinigung in Hannover - nach Einschätzung der Polizei lediglich ein Schachzug, um mit seinen Aktivitäten nach Mallorca umzuziehen.

Nach dem aufsehenerregenden Schlag gegen die Hells Angels auf Mallorca, bei dem an verschiedenen Orten 27 Personen festgenommen wurden, begannen gestern die Verhöre der Verdächtigen. Die meisten sollen deutsche Rocker sein. Untersuchungsrichter Eloy Velasco vom Nationalen Gerichtshof in Madrid, der für Organisierte Kriminalität zuständig ist, ermittelt seit einem Jahr gegen die Hells Angels und hat reichlich belastendes Material zusammengetragen. Zur Vernehmung flog er, begleitet von zwei Staatsanwälten, in die Inselhauptstadt Palma, wo die Festgenommenen in Untersuchungshaft sitzen.

Auch wenn Polizei und Untersuchungsrichter sich bisher mit offiziellen Erklärungen zurückhalten, sickerten inzwischen etliche Einzelheiten über das Treiben der Hells Angels durch. Sie sollen sich vor allem dem Geschäft der Prostitution, Schuldeneintreibung, Schutzgeldforderungen und Erpressung gewidmet haben. Sie sollen mehrere Bordelle und Nachtklubs unter ihrer Kontrolle gehabt haben. Einige Prostituierte sollen sogar zu kosmetischen Operationen gezwungen worden sein, um mehr "Geschäftserfolg" zu haben, berichteten spanische Medien. Die sexuelle Ausbeutung der Frauen sei soweit gegangen, dass sie nur dann einen freien Tag bekamen, wenn sie mindestens 1000 Euro eingenommen hatten, hieß es. Die Rockerbande soll zudem versucht haben, von vorzugsweise deutschen Unternehmern auf Mallorca Schutzgeld zu erpressen. Auch Drogenhandel, Geldwäsche, Betrug und Gewaltdelikte werden ihnen angelastet.

Mit dem aus ihren Machenschaften erbeuteten Geld hatten die Hells Angels offenbar Großes vor: Nach Angaben der Polizei wollten sie in den Bau einer Formel-1-Autorennbahn auf Mallorca investieren.