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| 21:09 Uhr

Die Vereinigung der Postleitzahlen

Auf der Cebit in Hannover wirbt die Post am 29. März 1993 mit der gelben Fingerfigur "Rolf" für die neuen Postleitzahlen. Foto: Weihs/dpa
Auf der Cebit in Hannover wirbt die Post am 29. März 1993 mit der gelben Fingerfigur "Rolf" für die neuen Postleitzahlen. Foto: Weihs/dpa
Bonn. Es blieb nur noch ein halbes Jahr Zeit, als die Bundespost Anfang 1993 eine gewagte Reform bekannt gab: Im gerade wiedervereinigten Deutschland sollten zur Jahresmitte fünfstellige Postleitzahlen eingeführt werden. Mit der Ankündigung trat die Post eine Lawine los. Der erzwungene Verzicht auf lieb gewonnene Gewohnheiten entfachte einen Sturm der Entrüstung Von dpa-Mitarbeiter Peter Lessmann

Bonn. Es blieb nur noch ein halbes Jahr Zeit, als die Bundespost Anfang 1993 eine gewagte Reform bekannt gab: Im gerade wiedervereinigten Deutschland sollten zur Jahresmitte fünfstellige Postleitzahlen eingeführt werden. Mit der Ankündigung trat die Post eine Lawine los. Der erzwungene Verzicht auf lieb gewonnene Gewohnheiten entfachte einen Sturm der Entrüstung. Und Rolf, die überdimensionale, aus fünf Fingern bestehende Zeichentrickfigur, war schwer beschäftigt: "Hipp, hipp, das ist modern", rappte er in den Medien: "Fünf ist Trümpf!"

Doch die Skepsis blieb groß: "Wie soll ich mir meine neue Postleitzahl merken?", fragten sich viele Leute vor der Einführung. Wie schnell würden Unternehmen ihre riesigen Adressdateien auf den neuesten Stand bekommen und was würde die Umstellung kosten? Von Amtswillkür war die Rede und von "Postleidzahlen". "Das Wort Chaos hat fünf Stellen", schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", und der Boulevard titelte: "Keiner blickt da durch". Das Postleitzahlenbuch mit 26 500 Ziffern sollte den Menschen helfen, sich im Zahlendschungel zurechtzufinden. Der gelbe Schinken wurde 40 Millionen Haushalten kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die Reform sollte die Postzustellung in West und Ost erleichtern. Denn die war im Zuge der Wiedervereinigung ineffizient geworden. In Nachbarländern gab es längst fünf- oder gar sechsstellige Postleitzahlen, warum nicht auch hier? Gut 800 Orte in West und Ost hatten die gleichen Ziffern - etwa Bonn und Weimar, aber auch Kiel und Stralsund, Hannover und Magdeburg oder Mainz und Gera. Zur Unterscheidung musste diesen Ziffern damals ein W beziehungsweise ein O vorangestellt werden.

Zahlen 0 und 1 für den Osten

Das fünfstellige System schuf Klarheit: Die ersten beiden Ziffern der neuen PLZ stehen für die genaue geografische Zuordnung. Die drei folgenden Zahlen zeigen an, wo der Empfänger wohnt, ob es sich um einen Großkunden oder ein Postfach handelt. Zu den neun Postleitzonen - das ist die erste Ziffer der Postleitzahl - kam mit der 0 eine zehnte hinzu. Diese und die 1 wurden zum Großteil für den Osten reserviert. "Wir haben uns diskriminiert gefühlt", sagt eine Ostwestfälin. In Bielefeld, Herford und Minden wechselte die Postleitzone von 4 auf 3. Auch in anderen Bundesländern gab es Veränderungen. In Bayern werden die Franken mit einer 9 von den Oberbayern mit 8 abgetrennt. Klaus Zumwinkel, der damalige Vorstandsvorsitzende der Post, hielt Kritikern entgegen: "Das neue System wird für die Kunden, einfacher, übersichtlicher und verwechselungssicher. Der Postbetrieb wird zuverlässiger, rationeller und schneller". Der damalige Postminister Wolfgang Bötsch (CSU) schwärmte: "Mit der Einführung der neuen Postleitzahlen wird Deutschland postalisch eins."

Inzwischen werden die Postleitzahlen wie selbstverständlich hingenommen. Ohnehin erinnern sich heute schätzungsweise 15 Millionen Menschen nicht mehr an den Zank von damals, an die Werbefigur Rolf und die Losung der Post: "Fünf ist Trümpf". Sie waren damals noch gar nicht geboren.