| 00:00 Uhr

Die älteste Brotzeit Bayerns

Regensburg. Brezen, Kipferl und Semmeln gehören schon seit vielen 100 Jahren zu einer zünftigen Brotzeit in Bayern. Das belegt der Fund von verkohlten Backwaren aus dem 18. Jahrhundert in Regensburg. Das Missgeschick des damaligen Bäckers ist das Glück für die Archäologen. Dpa-Mitarbeiterandré Jahnke

Als ein Bäcker im 18. Jahrhundert in Regensburg Backwaren aus dem Ofen holt, ist alles verkohlt. Wütend schleudert er die Semmeln, Brezen und Kipferl in eine Grube in der Ecke seiner Backstube. So ähnlich muss sich nach Vorstellung der Archäologen das abgespielt haben, was aus heutiger Sicht fast einer Sensation gleichkommt. Rund 250 Jahre nach dem Missgeschick des Bäckers entdecken die Experten an der Grabungsstätte am Donaumarkt in der Domstadt eine historische Brotzeit.

"Es handelt sich garantiert um die älteste gefundene Brezel", sagt Silvia Codreanu-Windauer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege am Mittwoch in Regensburg . Normalerweise fänden Archäologen Keramik, Knochen, Metalle oder Glas in der Erde, aber eben keine organischen Objekte. Nur weil die Backwaren verkohlt waren und die Abfallgrube des Bäckers später überbaut wurde, haben sie im Boden überdauert. Die Brotzeit soll laut den Archäologen zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert entstanden sein.

Wie genau eine Brotzeit vor 250 Jahren aussah, ist nicht überliefert. "Brezen und Kipferl waren aber schon etwas Besseres als das Brot", erklärt der Regensburger Stadtarchäologe Lutz Dallmeier. Auch über die genaue Zusammensetzung der historischen Brotzeit lässt sich heute nicht mehr viel sagen. "Es gibt zwar zahlreiche mittelalterliche Rezepte, aber eben keine Backrezepte", sagt Codreanu-Windauer. Ursprünglich wurden Brezen lediglich am Samstag gebacken und verkauft. In München hatte 1532 jedoch der damalige Herzog die Bäcker angewiesen, täglich Brezen zu verkaufen.

Seit Jahren ist der Donaumarkt für Archäologen eine ergiebige Grabungsstätte. Dort war bereits ein Holzhaus freigelegt worden, das etwa 1200 Jahre alt sein soll. Zudem war eine mittelalterliche Hinrichtungsstätte und ein Holzbohlensteg aus dem frühen Mittelalter gefunden worden, der bis an die Donau führte.

"Der Fund ist etwas Besonderes, weil er ein Stück Alltagsgeschichte beschreibt", sagt der Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD ). Und obwohl auf dem Donaumarkt zum 100. Geburtstag des Freistaats Bayern im Jahr 2018 das Museum der Bayerischen Geschichte entstehen soll, will er die Funde nicht dort ausstellen. "Sie gehören uns, die geben wir nicht mehr her", betont Wolbergs. Die Brotzeit soll im Historischen Museum der Stadt Regensburg gezeigt werden.