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Wildtierverbot in Zirkussen
Dickhäuter-Drama auf Autobahn

Rettungskräfte heben einen Elefanten mit Hilfe eines Krans in einen Container.
Rettungskräfte heben einen Elefanten mit Hilfe eines Krans in einen Container. FOTO: dpa / María Gu
Saarbrücken/Albacete. Ein Transporter mit fünf Elefanten kippte auf der Autobahn um. Das Unglück facht in Spanien die Debatte über ein Wildtierverbot in Zirkussen an.

Eine Elefantenherde, die ziellos über eine spanische Autobahn trabt – das sieht man nicht alle Tage. Aber die Geschichte hatte einen dramatischen Hintergrund: Die tonnenschweren Tiere liefen orientierungslos über die Schnellstraße, nachdem ihr Transporter in voller Fahrt verunglückt war und sich überschlagen hatte. Bei dem Unfall starb einer der fünf Elefanten, die anderen vier erlitten offenbar nur leichtere Verletzungen; der Fahrer blieb unverletzt. Die Tiere gehörten zu einem spanischen Zirkus.


Der spektakuläre Unfall ereignete sich auf der Autobahn A-30, die zur Mittelmeerstadt Murcia führt. Den ersten Ermittlungen zufolge geriet der Transporter, in dem die fünf Elefanten reisten, nach einem Überholmanöver außer Kontrolle. Der Zirkus-Lastwagen überschlug sich auf der Höhe des Ortes Pozo Cañada in der zentralspanischen Region Castilla-La Mancha und blieb schwer beschädigt quer auf der Fahrbahn liegen. Das Unglück, das sich mitten im Oster-Rückreiseverkehr ereignete, verursachte einen Riesenstau.

Die verletzten Tiere, die aus mehreren Wunden bluteten, konnten sich aus den Trümmern befreien und liefen dann orientierungslos über die Autobahn. Dort wurden sie später von Tierpflegern und der Polizei eingefangen. Um den verstorbenen Elefanten zu bergen, musste ein Schwerlastkran angefordert werden. Elefanten können fünf Tonnen oder sogar noch mehr wiegen.

Nun wird die Polizei die genauere Unfallursache ermitteln müssen. Es blieb zunächst unklar, ob der Tiertransporter zu schnell gefahren war. Oder ob vielleicht eine plötzliche Gewichtsverlagerung der tonnenschweren Tiere den Lkw aus dem Gleichgewicht brachte.

Die Elefanten gehören zu einem spanischen Zirkus, der mit den Tieren auf Tournee war. Doch die Zirkus-Unternehmen, die mit Wildtier-Dressuren versuchen, das Publikum zu unterhalten, haben es auch in Spanien immer schwerer. Hunderte von Dörfern und Städte haben inzwischen Wildtier-Spektakel in ihren Gebieten verboten.



Die Zirkusnummern mit Tigern, Löwen, Elefanten oder Krokodilen sind umstritten, weil Tierschützer in dieser Art von Shows eine Ausbeutung dieser Lebewesen sehen. Zudem wird beklagt, dass die Zirkustiere oftmals nicht artgerecht gehalten werden und ihr Leben in Käfigen verbringen müssen.

Spaniens Tierschutzpartei Pacma forderte nach dem tragischen Unfall, dass Wildtier-Shows in ganz Spanien verboten werden. „Wie lange soll die Versklavung der Zirkustiere noch weitergehen?“, hieß es in einer Erklärung der Partei. Auch in Spaniens sozialen Netzwerken brach eine heftige Debatte darüber aus, ob diese Shows, zu denen zum Beispiel auch Delfin-Spektakel gehören, noch zeitgemäß sind.

Der Sprecher des spanischen Zirkus-Verbandes „Circos Reunidos“, Ignacio Pedrera, wies die Vorwürfe der Tierschützer derweil zurück. Die Tiere würden in den Zirkussen gut behandelt, versicherte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Europa Press. Die überlebenden Elefanten seien alle in einem eigens errichteten Zelthospital schnell behandelt worden. Sie alle seien in „perfektem Zustand“. Pedrera betonte, er schließe eine „Sabotageaktion von radikalen Tierschützern“ nicht aus. „Das wäre nicht das erste Mal“, sagte er.

In Deutschland sind in rund 80 Städten Wildtiere in Zirkussen untersagt. In Saarbrücken wird im Mai im Stadtrat erneut über das Thema diskutiert. Die FDP hat einen Antrag gestellt, nachdem ein erster Beschluss für ein Wildtierverbot im vergangenen Juni wieder aufgehoben wurde.

Nach dem Unfall konnten sich die Tiere selbst befreien und liefen auf der Straße umher.
Nach dem Unfall konnten sich die Tiere selbst befreien und liefen auf der Straße umher. FOTO: dpa / Europa Press