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Deutschlands „Schätzchen“ wird 70

Mit ihrer Rolle als Barbara in der Tragikomödie „Zur Sache Schätzchen“ zog sie die Nation in den 60er-Jahren vor den Fernsehbildschirm. Seitdem ist Uschi Glas zum Publikumsliebling geworden. Am Sonntag feiert sie ihren 70. Geburtstag. Von Caroline Uhl (afp)und Sabine Dobel (dpa)

Saarbrücken. Mal gibt sie die Tierärztin, mal die Galeristin, dann die Unternehmerin. Seit fast 50 Jahren steht Uschi Glas vor der Kamera. Jüngst suchte sie als psychisch labile Lehrerin im Kino-Kassenschlager "Fack ju Göhte" nach ihrer inneren Ruhe. Am Sonntag feiert die bayerische Schauspielerin ihren 70. Geburtstag.

Jung, außergewöhnlich schön und erfolgreich: In den 60er- und 70er-Jahren war Uschi Glas bereits ein Publikumsliebling. Für die am 2. März 1944 in Landau an der Isar Geborene ging es in der Film-Branche schnell bergauf. Mit 20 Jahren zog das jüngste von vier Geschwistern nach München. Glas arbeitete zunächst als Sekretärin und bekam 1965 ihre erste kleine Rolle. Von Filmproduzent Horst Wendlandt entdeckt, nahm sie bald darauf Schauspielunterricht - und hatte schon im Folgejahr in einem "Winnetou"-Film ihre erste Hauptrolle.

Ihren großen Durchbruch feierte sie als Barbara, das "Schätzchen", in May Spils Tragikomödie "Zur Sache, Schätzchen", die das Lebensgefühl einer nach Freiheit strebenden jungen Generation widerspiegeln sollte. Glas' darin enthaltener Striptease vor zwei prüden Polizisten ist heute Kult.

Ansonsten aber gab sich Ursula Helga Glas, wie die Schauspielerin mit vollem Namen heißt, meist züchtig. Angebote mit Nackt-Szenen schlug sie aus - dabei habe es vor allem in den 70er-Jahren derartige Offerten zuhauf gegeben, wie sie 2003 "Spiegel online" erzählte.

Nach ihrem Durchbruch hat die vielfach gekürte Schauspielerin - unter anderem Bambi, Goldene Kamera und Bundesverdienstkreuz - in vielen Kinofilmen und TV-Serien gespielt und sich auch im Theater bewiesen. Mit Kollege Elmar Wepper bildete sie das deutsche TV-Paar schlechthin. Mit ihm spielte sie im Ersten in der "Polizeiinspektion 1" und im ZDF die "Zwei Münchner in Hamburg".

Privat hat Glas stets versucht, mit Mann und Kindern das Bild der perfekten Familie zu verkörpern: keine Skandale, keine Affären. Immer hielt sie ihr Privatleben von der Öffentlichkeit fern - bis 2002 Fotos ihres Mannes Bernd Tewaag mit einer fast 30 Jahre Jüngeren erschienen. Erstmals zog Glas öffentlich vom Leder. "Ich steh' doch nicht daheim wie ein Möbelstück rum, und er geht abends schnackseln", empörte sie sich. Nach einem Rosenkrieg ließ sich die Schauspielerin von ihrem Mann, mit dem sie drei Kinder hat, im Jahr 2003 scheiden. Inzwischen ist sie wieder glücklich verheiratet mit dem Unternehmensberater Dieter Hermann. "Unsere Beziehung wächst und wächst, und wir ranken uns aneinander hoch. Das ist etwas sehr Besonderes", sagte sie "Bild am Sonntag".

Eine Niederlage gab es im Rechtsstreit um die von ihr vermarktete Hautcreme: Die Stiftung Warentest darf die Pflege weiter mangelhaft nennen. Sorgen bereitete ihr auch Sohn Benjamin, der eine Haftstrafe absitzen musste. Jetzt scheint er allerdings seinen Weg gefunden zu haben.

Ob sie sich heute wie 70 fühlt? "Nee. Ich weiß auch nicht, wie man sich mit 70 fühlen sollte", sagte sie der "Welt am Sonntag". Und sie schaut mild zurück auf die Vergangenheit. Jede überraschende Wendung verändere einen. "Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel."