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Mitglied der Royals in Haft
Des Königs Schwager logiert im Frauenknast

Spaniens Royals in besseren Tagen (2011, v.l.): Juan Carlos und Sofia, Felipe und Letizia, Prinzessin Elena, Cristina und Mann Iñaki Urdangarin.
Spaniens Royals in besseren Tagen (2011, v.l.): Juan Carlos und Sofia, Felipe und Letizia, Prinzessin Elena, Cristina und Mann Iñaki Urdangarin. FOTO: dpa / Javier Lizon ; Pool
Madrid. Vom Hof in die Haft: Iñaki Urdangarin, Ex-Herzog von Palma, sitzt seine Strafe in Luxus-Umgebung ab. Von Ralph Schulze

Ein Chauffeur kutschierte ihn bis zur Haftanstalt. Leibwächter eskortierten ihn ans Gefängnistor, wo ihn die Justizvollzugsbeamten in Empfang nahmen. Damit endete vorerst das luxuriöse Leben von Iñaki Urdangarin, dem Schwager des spanischen Königs Felipe. Der 50-jährige Urdangarin, Ehemann von Felipes Schwester Cristina (53), musste jetzt eine fast sechsjährige Haftstrafe wegen Steuerbetrugs, Unterschlagung, Rechtsbeugung und Korruption antreten.


Doch Gefängnis ist nicht Gefängnis. Wie die meisten Verurteilten in Spanien durfte sich auch der frühere Handball-Nationalspieler die Haftanstalt aussuchen. Urdangarin, der 1997 die zweitälteste Tochter des alten Königs Juan Carlos heiratete und so Mitglied der Königsfamilie wurde, wählte eine ganz besondere Justizvollzugsanstalt: ein kleines Frauengefängnis in dem Dorf Brieva in der Nähe von Madrid. Dort ist der athletische Urdangarin, der zu besseren Zeiten als der perfekte Schwiegersohn galt, der einzige männliche Häftling unter rund 100 weiblichen Insassen. „Das ist eine Vorzugsbehandlung“, schimpfte die Gewerkschaft der Gefängnisbeamten. Der prominente Häftling zog in einen kleinen von der Frauenabteilung abgetrennten Trakt ein, wo er die Gemeinschaftseinrichtungen für sich allein hat: Küche, Bad, Aufenthaltsraum und einen kleinen Hof. Außerdem ein Besucherzimmer, in dem intime Kontakte mit dem Ehepartner erlaubt sind. Böse Zungen sprechen von einem „Luxus-Knast“ für Urdangarin. In der Tat kann man sich Schlimmeres vorstellen als dieses Gefängnis, das den Ruf hat, „eine ruhige Haftanstalt ohne Konflikte“ zu sein. Konflikte gab es zuletzt öfter, wenn Urdangarin in der Öffentlichkeit auftauchte und auf der Straße als „Gauner“, „Geier“ oder „Korrupter“ beschimpft wurde. Ähnliche unangenehme Begegnungen hätten ihm wohl auch in den großen spanischen Gefängnissen gedroht, wo die Sitten eher rau sind.

Fünf Jahre und zehn Monate bekam Urdangarin von den Richtern aufgebrummt, die dieser Tage ein erstinstanzliches Urteil im Wesentlichen bestätigten. Der Oberste Gerichtshof sah es als erwiesen an, dass Urdangarin von 2004 bis 2006 seine Nähe zum Königshaus ausgenutzt hatte, um über eine als Stiftung getarnte Firma öffentliche Millionengelder zu ergaunern. Auch Prinzessin Cristina saß auf der Anklagebank, wurde frei gesprochen, musste indes 137 000 Euro in die Staatskasse zahlen.



Die Vertrauenskrise, in die das Königshaus auch in Folge dieses Falls geriet, versucht König Felipe seit seinem Amtsantritt 2014 zu lösen. Er distanzierte sich von seiner Schwester, entzog ihr sowie Urdangarin den Titel „Herzöge von Palma“ und verfügte, dass die Beiden samt der vier Kinder nicht mehr zum Königshaus gehörten.