| 21:10 Uhr

Möglicher sexueller Übergriff
Der Fanzug als rechtsfreier Raum?

Polizisten stehen an dem Sonderzug für Fußballfans, in dem der Missbrauch der 19-Jährigen passiert sein soll.
Polizisten stehen an dem Sonderzug für Fußballfans, in dem der Missbrauch der 19-Jährigen passiert sein soll. FOTO: dpa / Hans-Peter Reichartz
Mönchengladbach. Eine junge Frau soll in einem Zug voller Fußball-Fans sexuell missbraucht worden sein. Wer sorgt in solchen Zügen für Sicherheit?

Nach einer bundesweiten Suche hat sich der verdächtige Mönchengladbacher, der eine 19-Jährige auf der Zugtoilette missbraucht haben soll, gestellt. Er meldete sich gestern in einer Justizvollzugsanstalt in Nordrhein-Westfalen – weil er eine Haftstrafe wegen einer anderen Straftat verbüßen muss. Sein Anwalt sagte aber, sein Mandant werde sich zu der Tat in dem Zug äußern.


Die Tat soll sich in einem Zug mit Fußballfans auf der Rückreise vom Spiel Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach ereignet haben. Nach dem mutmaßlichen sexuellen Übergriff hat das 19-jährige Opfer seine Eltern noch aus dem Zug angerufen. Diese schlugen dann Alarm, sagte ein Polizeisprecher gestern. Das Opfer war am frühen Sonntagmorgen von der Polizei im hessischen Flörsheim am Bahnhof in Empfang genommen, zunächst kurz befragt und dann in eine Wiesbadener Klinik gebracht worden. Vermutlich habe die Polizei den Zug im hessischen Flörsheim außerplanmäßig gestoppt. „Wir haben veranlasst, dass sie vernommen wird, sobald sie dazu fähig ist. Das ist bisher noch nicht erfolgt“, sagte der Polizeisprecher in Mönchengladbach. Nachdem im Zug der mutmaßliche Übergriff bekannt geworden war, erinnerte sich ein Zug-Ordner an die beiden. Er machte darum später ein Foto allein von dem Mann. Das Bild schickte er nach Polizeiangaben aber erst nach den Massenkontrollen an Bahnhöfen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Das Mädchen und der Tatverdächtige lernten sich den Angaben nach im so genannten Tanzwagen des Zuges kennen. „Danach gab es auf der Toilette im Zug nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen“ an der 19-Jährigen, sagte Polizeisprecher Wolfgang Röthgens. Bei dem Tatverdächtigen soll es sisich um einen Deutsch-Polen handeln, der auch beide Staatsbürgerschaften hat.

Der Polizeisprecher sagte, wer den Sonderzug gechartert habe, wisse man nicht. Das sei Sache des Fußballvereins. „Der Zug war privat organisiert – das heißt, nicht vom Verein und auch nicht vom Fanprojekt“, betonte Markus Aretz, der Pressesprecher von Borussia Mönchengladbach. Der Sonderzug gehört dem Schweizer Anbieter Centralbahn. Dieser zählt zu den großen privaten Eisenbahngesellschaften der Schweiz.

Polizisten waren anscheinend nicht an Bord. Für die Sicherheit in Fußball-Sonderzügen ist nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor allem das Unternehmen verantwortlich, das die Fans befördert. Entweder müsse sie eigenes Personal bereitstellen oder einem angemieteten Sicherheitsdienst. „Wir fahren nicht mit, das ist nicht unsere Aufgabe“, sagte der GdP-Landeschef Nordrhein-Westfalen, Arnold Plickert, in Köln.



„Auch in Sonderzügen gelten Gesetze und Normen“, betonte der GdP-Bundesvize. Es handele sich nicht um rechtsfreie Räume. Bei Straftaten wie zum Beispiel gravierenden Sachbeschädigungen greife die Polizei ein. Außerdem kontrolliere vor allem die Bundespolizei die Fanzüge bei Abfahrt und Ankunft im Bahnhof. „Wir brauchen mehr Personal bei Bundes- und Landespolizei“, forderte Plickert, schränkte jedoch zugleich ein: „Aber auch wenn wir es hätten, würden wir es nicht in die Züge packen. Wir sind dort nicht die Hausherren.“