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Grasüberwachsenes Loch
Das Kuh-Wunder von Bayern

Landwirt Markus Grieser mit seiner Kuh Regina. Fünf Tage lang war die trächtige Kuh verschollen. Dann wurde sie in einem sechs Meter tiefen Loch gefunden und geborgen.
Landwirt Markus Grieser mit seiner Kuh Regina. Fünf Tage lang war die trächtige Kuh verschollen. Dann wurde sie in einem sechs Meter tiefen Loch gefunden und geborgen. FOTO: dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Halblech. Nach einem sechs Meter tiefen Sturz harrte Milchkuh Regina fünf Tage lang ohne Futter und Wasser aus. Dann wurde sie gerettet.

Niemand hatte damit gerechnet, Regina lebend zu finden. Jetzt grast die trächtige Kuh friedlich auf einer Wiese in der bayerischen Gemeinde Halblech im Allgäu. „Sie macht sich gut“, sagt ihr Besitzer Markus Grieser. Das ist nicht selbstverständlich, denn Regina hat ein echtes Abenteuer hinter sich. Vor einigen Wochen war sie wohl beim Grasen in ein Loch im Boden gestürzt – sechs Meter in die Tiefe. Dort musste sie fünf Tage lang hilflos ausharren, ohne Futter und Wasser. Bis ein Urlauber nichtsahnend über die Wiese spazierte und auf das Loch aufmerksam wurde – samt der Kuh darin.


„Das Loch war mit Gras überwachsen“, erklärt Grieser. Die Kuh sei wohl beim Grasen abgestürzt. Unter dem Grundstück war Ende der 1940er Jahre Braunkohle abgebaut worden, erklärte Martin Nell, Sprecher der Regierung von Oberbayern, bei der das Bergamt Südbayern angesiedelt ist. Durch starke Regenfälle und das Gewicht der Kuh war der Stollen eingebrochen. Mittlerweile sei er aber wieder mit Kies aufgefüllt worden. „Beim Bergamt Südbayern laufen aktuell detailliertere Erkundungen zum vorliegenden Altbergbau in Halblech“, teilte Nell weiter mit.

Der Urlauber alarmierte nach seiner Entdeckung den Landwirt eines nahegelegenen Gehöfts, der wiederum Reginas Besitzer Grieser informierte. „Wir haben dann nicht groß Tamtam gemacht“, erzählt er. Er rückte mit dem Bagger an, erweiterte das Loch und stieg zu seiner Kuh hinab. „Sie hat mich erkannt und gemuht“, berichtet der 49 Jahre alte Landwirt. Mit einer Seilwinde wurde die Kuh aus dem schlammigen Boden befreit und an die Oberfläche gezogen.



Schon unmittelbar nach ihrer Rettung habe sie auf allen vieren gestanden und sei weggetrottet. Mit einem Viehtransporter sei die neunjährige Regina dann zurück zum Stall gebracht worden. „Dort hat sie direkt 40 Liter Wasser gesoffen.“ Markus Löchle, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Buching, die das Loch während der Bergung der Kuh ausgeleuchtet hatte, ist immer noch baff, dass das trächtige Tier die Strapazen so gut überstanden hat. Die Kuh erwartet ihr achtes Kalb.

Es braucht keinen alten Bergstollen, damit Tiere in missliche Lagen geraten. Im April hatte eine Ziege für Aufsehen gesorgt, die aus einem Steinbruch gerettet wurde. Flöckchen, so hieß das Tier, war vor zwei Jahren auf dem Weg zum Schlachter ausgerissen und hatte danach wild in der Gegend eines Steinbruchs bei Collenberg gelebt. Zuletzt war die weiße Hausziege auf einen Vorsprung in einer steilen Felswand des Steinbruchs geraten und dort etwa eine Woche lang gefangen gewesen. Sie lebt jetzt auf einem Gnadenhof.

Ende Mai hatte dann eine Kuh auf einer Alm in Oberbayern einen neuen Weg ausprobiert – und war auf einem Baugerüst gelandet. Das Tier sei „auf der Suche nach Abwechslung“ bei Oberaudorf nahe der Grenze zu Österreich auf das an einer Brücke installierte Gerüst gestiegen, dann über zwei Gerüst-Etagen abgerutscht und nicht mehr weitergekommen, schrieb die Feuerwehr damals auf Facebook. Erst in dieser Woche hatte sich eine Ziege in Unterfranken auf ein Bahnhofsdach verirrt.