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Jahresrückblick. Zum Tode Karin Dors
Das deutsche „Bond“-Girl, das Winnetou liebte

Saarbrücken. Von Tobias Kessler

Mancher Kollege bekommt heute noch feuchte Augen, wenn er von Karin Dor und „Winnetou II“ erzählt – als sie, in der Rolle von Winnetous großer Liebe Ribanna, mit Pierre Brice durch eine bunte Grotte wandelte und ihr Herz sprechen ließ. Das war wohl der tiefromantischste Moment in der Karl-May-Filmreihe der 1960er Jahre.


Ihren Durchbruch im deutschen Film erlebte die Schauspielerin aus Wiesbaden aber schon etwas früher in der anderen großen Erfolgsserie des deutschen Nachkriegskinos: bei Edgar Wallace.  In Filmen wie „Die Bande des Schreckens“, „Zimmer 13“ und „Der unheimliche Mönch“, oft inszeniert von ihrem ersten Ehemann Harald Reinl,  hatte sie es mit knarrenden Türen in Schwarzweiß und allerlei Meuchelmördern zu tun. Auch international war Karin Dor gefragt – in vergessenen europäischen B-Filmen wie „Ich, Dr. Fu Man Chu“ oder „Gern hab ich die Frauen gekillt“, aber auch, diesmal unvergesslich, bei James Bond: In „Man lebt nur zweimal“ wurde sie dem Agenten  lebensgefährlich, erlag dem brusthaarigen Charme Sean Connerys nur bedingt und ließ 007 sitzen – in einem abstürzenden Flugzeug, das sie per Fallschirm verließ. Ein prägnanter Auftritt, gekrönt von einem makabren Filmtod per Piranhas.

Auch Spannungsmeister Alfred Hitchcock engagierte Karin Dor, leider für einen seiner schwächsten Filme, „Topas“, was ihre internationale Karriere nicht befeuerte. Ab den 1970ern war sie weiterhin, aber seltener  im Kino und Fernsehen zu sehen; später spielte sie vor allem Theater, Klassiker ebenso wie Boulevard. Im Kino konnte man sie 2015 noch einmal sehen, in „Die abhandene Welt“ an der Seite von Katja Riemann. Am 22. Februar ist Karin Dor im Alter von 79 Jahren gestorben.