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Hobby-Wissenschaftler
Das begehrte Wissen der Hobby-Forscher

Hobby-Astronom Apitzsch hat 505 Asteroiden entdeckt, 72 sind bei der Internationalen Astronomischen Union registriert.
Hobby-Astronom Apitzsch hat 505 Asteroiden entdeckt, 72 sind bei der Internationalen Astronomischen Union registriert. FOTO: dpa / Larissa Schwedes
Wildberg. Im Dienste der Forschung engagieren sich viele Laien als Bürgerwissenschaftler. Manche sind sogar gefragte Experten. dpa

Sobald es Abend wird, ist Rolf Apitzsch auf himmlischer Jagd. Mit einem Teleskop geht er in seine selbstgebaute Sternwarte, zielt in den Nachthimmel. Hunderte Bilder schießt er dann, und wenn er Glück hat, sind Asteroiden drauf. Das sind kleine Gesteinsbrocken, Millionen von Kilometern entfernt.


Rolf Apitzsch ist Hobby-Astronom, sein Geld hat der 74-Jährige als Computertechniker verdient. Seit er im Ruhestand ist, betreibt er jedoch Astronomie auf einem Niveau, das ihn für Außenstehende wie einen Profi wirken lässt. Für das Geld zweier Mittelklassewagen setzte Apitzsch sich vor zwanzig Jahren ein Observatorium in den Garten. Seitdem hat er 505 Asteroiden entdeckt, 72 sind schon offiziell bei der Internationalen Astronomischen Union (IAU) registriert, 20 davon von ihm persönlich getauft. Wie viele Hobby-Forscher es in Deutschland gibt, lässt sich kaum sagen. Mehrere Hunderttausend dürften es aber sein. Allein bei der Aktion „Stunde der Wintervögel“ des Naturschutzbundes (Nabu) machten Anfang Januar rund 125 000 Menschen mit und zählten mehr als drei Millionen Vögel in Gärten und Parks.

Projekte wie diese werden oft unter der Bezeichnungen „Citizen Science“ gefasst. Jeder kann mitmachen, egal ob beim Hasenzählen, Feinstaubmessen oder Transkribieren historischer Dokumente. Besonders seit dem Smartphone-Zeitalter nehmen die Möglichkeiten für Hob-
by-Forscher ständig zu. Allein auf der Internet-Plattformen „Bürger schaffen Wissen“ werden derzeit etwa 70 Forschungsprojekte angeboten. Erfolgreiche Hobby-Forscher wie Apitzsch zeichnen sich durch ihr explizites Fachwissen aus, das sie sich meist selbst und aus reiner Neugier angeeignet haben. Nach der Zahl der entdeckten Asteroiden belegt Sternengucker Apitzsch in Deutschland mittlerweile Platz acht in der Rangliste, bei den hobbybetriebenen Observatorien landet er sogar auf Platz zwei.



„Amateure können heute das leisten, was Profis vor zwanzig Jahren machen konnten“, sagt Apitzsch. „Mit viel Geduld und ein wenig Glück kann man auch als Amateur etwas erreichen“, sagt er und denkt an 2008, als er mit anderen Hobby-Forschern US-Profis half, einen Asteroiden aufzuspüren, der in Richtung Erde schoss und letztlich im Sudan einschlug. Nur dank des Engagements von Menschen wie Apitzsch ließ sich der Einschlagsort auf hundert Kilometer genau eingrenzen. Aber auch in vielen anderen Bereichen hat sich die Zusammenarbeit zwischen Forschern und Bürgerwissenschaftlern bewährt: Im vergangenen Jahr machte eine Gruppe von Insektenkundlern auf sich aufmerksam, als eine Meldung von einem dramatischen Insektensterben durch die Medien ging. Forscher hatten das schon lange vermutet, doch die entscheidenden Daten sammelte der ehrenamtlich geführte „Entomologische Verein Krefeld“.

Martin Sorg, Vorstandsmitglied des Vereins, sieht die Bezeichnung „Hobby-Forscher“ deswegen kritisch. „Besonders in der Insektenkunde ist der Übergang zum Experten fließend. Hobby-Forscher haben oft schon nach einer gewissen Zeit ein Spezialwissen, das man bei keiner universitären Biologen-Ausbildung erwerben kann.“ Auch Peter Finke, emeritierter Professor für Wissenschaftstheorie, plädiert schon lange für mehr Anerkennung der Amateurforscher. „Das Wissen der Laien wird in der Wissenschaft noch immer unterschätzt.“

Hobby-Astronom Apitzsch wartet darauf, dass die Nächte wärmer werden und der Himmel klarer wird. Dann geht er wieder in sein Observatorium. Ihm geht es weder um Geld noch um Anerkennung, sagt er. Die Astronomie ist sein Hobby – und das soll Spaß machen.

Apitzsch setzte sich ein Observatorium in den Garten.
Apitzsch setzte sich ein Observatorium in den Garten. FOTO: dpa / Larissa Schwedes