| 00:00 Uhr

Charles und Camilla vor Jubiläum

London. Prinz Charles und Camilla feiern bald ihren zehnten Hochzeitstag. Ab heute besuchen sie, wie vor zehn Jahren, die USA. Die Herzogin von Cornwall wird mittlerweile von den Briten akzeptiert. Ob sie einmal Königin werden wird, ist aber offen. Katrin Pribyl

Es gab Zeiten, in denen Prinz Charles seine Liebe für Camilla verheimlichen musste. Es gelang ihm kaum. Obwohl er nie Liebesbekundungen äußerte oder in Interviews über die andere Frau sprach, wurden etwa Abschriften schlüpfriger Telefonate veröffentlicht. Sie war die Nebenbuhlerin, mit der der Thronfolger Prinzessin Diana jahrelang betrog und die wie kaum eine andere polarisierte. Auch deshalb trat das Paar erst zwei Jahre nach Dianas Tod zum ersten Mal gemeinsam in der Öffentlichkeit auf. Am 9. April 2005 heirateten sie, und die früher als "Rottweiler" verspottete Camilla wurde zur Herzogin von Cornwall . Jetzt, Tage vor dem zehnten Hochzeitstag, reisen sie in die USA - genauso wie damals kurz nach der Trauung, als sie die erste offizielle Auslandsreise ebenfalls über den großen Teich führte.

Mittlerweile darf der älteste Sohn von Königin Elizabeth II offen über seine Bewunderung und Zuneigung zu der 67-Jährigen sprechen. Er tut das nicht häufig. Aber vor dem Abflug nach Washington nutzte er die Gelegenheit. Er sei sehr stolz auf seine Frau, sagte er gegenüber dem TV-Sender CNN . Es sei "großartig", wie Camilla die Herausforderungen angenommen habe, ihre öffentliche Rolle zu definieren. Sie sei eine ungeheure Unterstützung, sagte der 66-Jährige. Aus Kreisen, die dem Prince of Wales nahestehen, heißt es immer wieder, dass sie stets seine Laune aufhelle. Charles habe sich gewandelt seit der Heirat mit ihr.

Da kommt es wenig überraschend, dass sie laut Beobachtern bei Terminen meistens mit am Tisch sitzt. Sie teilt beispielsweise das Interesse des Biobauern für Umweltschutz. Auch während des Besuchs in den USA soll Charles' Herzensangelegenheit Thema sein, obwohl das Paar vor allem mit dem Ziel unterwegs ist, die diplomatischen Beziehungen zu pflegen. Morgen trifft der "Grüne Prinz" Vertreter von Unternehmen, Umweltorganisationen und der Regierung, um über das Problem des Plastikmülls in den Weltmeeren zu sprechen. Camilla wird an seiner Seite sein. Genauso an jenem Tag, an dem Charles den Thron besteigen wird. Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, hieß es bei der Hochzeit der beiden, Camilla werde dann nicht Königin, sondern lediglich "Princess Consort", also Prinzessingemahlin, werden.

Noch immer sorgen sich die Verantwortlichen vor dem Zorn der Öffentlichkeit. Dabei hat sich die Meinung der Briten längst gewandelt. Nur noch 35 Prozent der Menschen auf der Insel lehnen eine "Königin Camilla" ab, wie eine Umfrage für CNN jüngst zeigte. 2005 waren es bis zu 73 Prozent. Fast jeder Vierte gab zu, sie nun mehr zu mögen als noch vor zehn Jahren. Prinz Charles dürfte zufrieden sein. Er hatte laut "Telegraph" immer den Wunsch, dass jeder seine "reizende Ehefrau" liebt, die Wärme ihres Charakters erlebt und anerkennt, wie sie ihm geholfen hat und ihn unterstützt. Dieses Image erforderte Geduld und diese Eigenschaft besitzt Camilla. Erst kürzlich schrieb die Zeitung: "Erfreulicherweise hat sich die beinahe zehnjährige Ehe als ein vollkommener Erfolg herausgestellt." Die Geduld der Herzogin von Cornwall scheint sich auszuzahlen.