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Bankenaufsicht sperrt EC-Karten im Vatikan

Rom. Seit Tagen wiederholen sich die Szenen. Kopfschüttelnde Touristen, die nicht verstehen, warum sie ihre Eintrittskarten für die Vatikanischen Museen und die Sixtinische Kapelle nicht per EC-Karte bezahlen können. Amerikaner, Japaner und Russen, die zum Geldautomaten laufen müssen, weil Kreditkarten nicht akzeptiert werden Von SZ-Mitarbeiter Julius Müller-Meiningen

Rom. Seit Tagen wiederholen sich die Szenen. Kopfschüttelnde Touristen, die nicht verstehen, warum sie ihre Eintrittskarten für die Vatikanischen Museen und die Sixtinische Kapelle nicht per EC-Karte bezahlen können. Amerikaner, Japaner und Russen, die zum Geldautomaten laufen müssen, weil Kreditkarten nicht akzeptiert werden. In der vatikanischen Apotheke in der Nähe des Sankt-Anna-Tors dasselbe Bild: Die Apotheker sind seit Anfang des Jahres nicht nur mit Rezepten und der Suche nach dem gewünschten Präparat beschäftigt, sondern mit verständnislosen Kunden. "Mi dispiace", tut mir Leid, sind die Apotheker im Minutentakt gezwungen zu sagen, "solo contanti", Zahlung nur mit Bargeld.An allen 50 Karten-Terminals im Vatikan, auch im luxuriösen Vatikankaufhaus schräg hinter der Peterskirche oder bei der Vatikanpost herrscht das Kreditkarten-Chaos. Besucher aus Nordeuropa lästern über "italienische Verhältnisse", doch das Chaos hat nichts mit schlechter Organisation zu tun. Das Problem liegt an einem Verdacht, der das Geldinstitut des kleinsten Staats der Welt schon seit Jahrzehnten begleitet: Geldwäsche.


Die Vatikanbank IOR hat die italienische Zweigstelle der Deutschen Bank mit der Abwicklung des elektronischen Zahlungsverkehrs beauftragt, welche von der italienischen Bankenaufsicht kontrolliert wird. Seit einigen Jahren ermitteln römische Staatsanwälte gegen das IOR wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Deren Erkenntnisse haben nun auch die Bankenaufsicht wach gerüttelt. Seit den 80er Jahren heißt es, in der Vatikanbank seien Mafia- und Drogengelder gewaschen worden. Offenbar leitete das Institut auch Schmiergelder an italienische Politiker weiter.

Die bei der italienischen Zentralbank angesiedelte Bankenaufsicht hat den Antrag der Deutschen Bank Italien für die Abwicklung des elektronischen Zahlungsverkehrs für 2013 abgewiesen. Die Organisation "Moneyval" stellte vergangenes Jahr fest, dass der Vatikan nur neun von 16 Kriterien zur Verhinderung von Geldwäsche erfüllt.

Der römische Staatsanwalt Stefano Rocco Fava ermittelt weiterhin gegen die Vatikanbank und beschlagnahmte vor zwei Jahren 23 Millionen Euro auf IOR-Konten. Das Geld sollte im Namen anonymer Auftraggeber ohne die nötigen Genehmigungen unter anderem nach Deutschland überwiesen werden. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen den IOR-Präsidenten Ettore Gotti Tedeschi, einen Vertrauten des Papstes ein. Als Konsequenz verfügte Benedikt XVI. die Einrichtung einer internen Bankenaufsicht, um den internationalen Maßstäben zu genügen.

Hinter den Kulissen brach ein Machtkampf aus. Einflussreiche Kardinäle kämpften gegen die Öffnung der Vatikanfinanzen. Gotti Tedeschi wurde im Mai 2012 unter mysteriösen Umständen entlassen.