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Auf dem Kiez schlagen Fahnder zu

Hamburg. Fast ein Jahrzehnt entkam der gesuchte Schwerverbrecher Thomas Wolf immer wieder der Polizei - dann ging alles blitzschnell: Spezialkräfte der Polizei spürten den 56-Jährigen am Donnerstagabend auf der Hamburger Reeperbahn auf und brachten ihn zu Boden. "Er war völlig perplex, er hat sich nicht wehren können", berichtete Polizeisprecher Ralf Meyer. Wolf kam gegen 18 Von dpa-Mitarbeiterin Julia Ranniko

Hamburg. Fast ein Jahrzehnt entkam der gesuchte Schwerverbrecher Thomas Wolf immer wieder der Polizei - dann ging alles blitzschnell: Spezialkräfte der Polizei spürten den 56-Jährigen am Donnerstagabend auf der Hamburger Reeperbahn auf und brachten ihn zu Boden. "Er war völlig perplex, er hat sich nicht wehren können", berichtete Polizeisprecher Ralf Meyer. Wolf kam gegen 18.30 Uhr aus der Kult-Kneipe "Lehmitz" auf der Amüsiermeile, als die Handschellen klickten. Er hatte nur eine Plastiktüte mit ein paar Habseligkeiten dabei - aber keine Waffe.


Neun Jahre war der unauffällige Mann zuvor auf der Flucht, unter falschem Namen soll er lange in Frankfurt gelebt haben. In den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte er zuletzt, weil er Ende März in Wiesbaden eine Bankiersgattin verschleppt und 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst haben soll. In seinen ersten Vernehmungen gab er die Tat laut Polizei zu. Der entscheidende Tipp kam nun Anfang dieser Woche: Wie der Leiter der Hamburger Zielfahndung, Jörn Blicke, sagte, sei Wolf dem Zeugen "dubios" vorgekommen. Dieser habe deshalb im Internet nach ihm gesucht - und sei prompt auf die Fahndungsseiten des Bundeskriminalamtes (BKA) gestoßen. Am Donnerstag war für die Fahnder dann der Tag der Entscheidung gekommen. Die Ermittler beobachteten den 56-Jährigen beim Einkaufsbummel in Hamburg, sahen zu, wie er sich im Stadtteil St. Pauli durch die Straßen treiben ließ. "So wie es schien, hatte er kein bestimmtes Ziel."

Nach seiner Festnahme wollte Wolf zunächst nicht sagen, wer er ist - das tat er erst, als die Beamten seine Identität mit Hilfe von Fingerabdrücken zweifelsfrei geklärt hatten. Um 3.15 Uhr in der Nacht zum Freitag wurde er ins Hamburger Untersuchungsgefängnis gebracht. In der Hansestadt war Wolf bereits seit gut einer Woche, er wohnte in einem Hotel und suchte in Hamburg auch nach einer Unterkunft.



Festgenommen wurde der 56-Jährige nur wenige Autominuten entfernt von dem Tatort, an dem die Fahndung begann: Im April 2000 soll er eine Bank im Hamburger Stadtteil Altona überfallen und fast eine halbe Million Mark erbeutet haben. "Er hatte eine Waffe und eine Bombenattrappe dabei, mit deren Fernzündung er gedroht hat", sagte der Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, Wilhelm Möllers.

Die Ermittler seien Wolf meist dicht auf den Fersen gewesen, erklärte Blicke. "Im Einzelfall waren wir nur Minuten hinter ihm." Es sei aber extrem mühsam gewesen, seinen Spuren zu folgen. Auf seiner Flucht soll er laut Polizei in den Niederlanden eine weitere Bank überfallen haben, ein Versuch in Brüssel scheiterte.

Wolf selbst sehe sich als "Gentleman", der seinen Opfern "nicht wirklich etwas getan" habe, sagte Bromm. "Für uns ist er aber ein äußerst rücksichtsloser Gewalttäter." So unscheinbar der Mann mit Brille auf Fahndungsfotos wirken mag: Mit Schmeicheleien, Lügen und dem Vorgaukeln von Bildung und Seriosität hat er laut Bromm Menschen für seine Ziele benutzt. Nach neun Jahren auf der Flucht habe Wolf älter gewirkt als er tatsächlich ist, erzählte Blicke. Der 56-Jährige sei aber fit und sportlich: "So wirklich müde war er nicht."

Einen Freigang hatte Wolf zur Jahreswende 2000 zur Flucht genutzt. Zuvor saß er im Gefängnis Moers-Kapellen in Nordrhein-Westfalen unter anderem wegen Bankraubs ein. Insgesamt war er zu einer Haftstrafe von 21 Jahren verurteilt worden. Er soll nun in Wiesbaden angeklagt werden.

Hintergrund

Auf der öffentlichen Fahndungsliste des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden tauchen die meistgesuchten Verbrecher in Deutschland auf. Den Namen Thomas Wolf kann das BKA nun streichen. Weiter dringend gesucht werden laut BKA-Internetseite unter anderem: Eric Breininger (21) aus Neunkirchen und Houssain Al Malla (24), Terrorverdächtige; Alexander Scholl, Betrug; Mariusz Wronski (36), schwerer Raubüberfall; Ernst-Volker Wilhelm Staub, Daniela Klette, Burkhard Garweg, ehemalige RAF-Mitglieder; Abu Sow (27), Tötungsdelikt; Mohamed A. Said Rashid (59) und drei weitere Männer; sie sollen am Sprengstoffanschlag im Jahr 1986 auf die Berliner Diskothek "La Belle" mit drei Toten beteiligt gewesen sein. dpa