Ohne „Last Christmas“ geht es nicht

Ohne „Last Christmas“ geht es nicht

Die Musikindustrie beglückt uns dieser Tage mit allerlei Weihnachtsalben – darunter viel Überflüssiges. Wir stellen vier Alben vor, die sich lohnen.

Jedes Jahr machen Erdmöbel ihren Fans zur Adventszeit ein ungefähr drei- bis vierminütiges Geschenk - seit 2006 bringt die Kölner Band eine jährliche Weihnachtssingle heraus. Diesmal aber ist Erdmöbels Geschenk größer ausgefallen - ein ganzes Album mit den schon veröffentlichten Stücken und gleich ein paar neuen wie dem gut gelaunte "Goldener Stern". Festtagsverächtlich sind Erdmöbel dabei nicht - neben den obligatorischen Glöckchen, dem Schellenkranz und Bläsern fürchten sie sich auch nicht vorm kurzen Einsatz eines Kinderchors. Das weihnachtlich heimelige Album "Geschenk" bietet so eine hübsche Alternative für alle, die Weihnachten mögen, aber bei der Bescherung nicht immer dieselben Klassiker in der jährlichen Durchnudelschleife hören wollen. Nur an "Last Christmas" führt auch hier kein Weg vorbei - allerdings in einer sehr eingeerdmöbelten deutschen Version.

Wer Untermalung für betont kultivierte Feiertage sucht, findet sie bei "Christmas at Downton Abbey". Neben der "Downtown Christmas Suite" finden sich über 40 weitere klassische englische Weihnachtshymnen. Einige davon werden von Darstellern der britischen TV-Adels-Seifenoper angestimmt, andere etwa vom Choir of King's College Cambridge. Traditionell und festlich.

Ebenfalls stilvoll ist "Holiday for Swing!" von Seth MacFarlane geworden, der nicht nur durch die Moderation der Oscar-Verleihung 2013 ein Begriff sein dürfte. Für das Fernsehen hat er die wüste Animationsserie "Family Guy" erfunden, für das Kino den pöbelnden Teddybären "Ted". Auf "Holiday for Swing!" gönnt er sich eine Pause vom ätzenden Humor. Stattdessen singt er sich, begleitet von einem 52-köpfigen Orchester, sinatrahaft durch eine schöne Mischung aus US-Weihnachts-Songs. Ein bisschen glatt sind diese Aufnahmen vielleicht, aber letztlich doch so charmant wie festtagsfröhlich swingend.

Wem die Weihnachtsbeschallung mit musikalischer Ausgelassenheit zu viel werden sollte, kann sich "Blood Oranges in the Snow" anhören. Von den neun Folk-Songs mit Country-Einflüssen hat das Duo Over The Rhine aus Ohio die meisten selbst geschrieben und erzählt von den eher dunklen Stunden, die das Fest umwehen können. Ein schönes Album, vor allem für die melancholischeren Weihnachtsgefühlslagen - und eines der wenigen, das über das Fest hinaus hörbar ist.