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"Nur Opel kann sein Überleben garantieren"GM: Noch im Mai Partner für Opel

Jetzt pokert noch der russische Autokonzern Gaz um Opel mit. Wird die Situation nicht langsam unüberschaubar?Becker: Sie haben Recht, weil man im Hinblick auf die möglichen russischen Interessenten nicht genau weiß, wie die finanzielle Situation ist und wer letztlich dahinter steht

Jetzt pokert noch der russische Autokonzern Gaz um Opel mit. Wird die Situation nicht langsam unüberschaubar?Becker: Sie haben Recht, weil man im Hinblick auf die möglichen russischen Interessenten nicht genau weiß, wie die finanzielle Situation ist und wer letztlich dahinter steht. Bekannt ist nur, dass Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin die russische Automobilindustrie nach vorne bringen will. Dies wäre nicht nur im Sinne von Opel sondern im Sinne von Deutschland insgesamt im Hinblick auf die künftige Energieversorgung. Bei Fiat ist die Situation dagegen klar: Fiat ist selber hoch verschuldet und braucht Geld. Was halten Sie grundsätzlich von den Übernahme-Alternativen mit dem Konsortium Magna, Opel-Händler plus Gaz auf der einen und Fiat auf der anderen Seite?Becker: Nun, bei dieser Alternative ist ganz eindeutig Magna zu bevorzugen: Magna versteht was vom Automobilbau, bringt also das notwendige fachliche und personelle Know-how mit, und ist vor allem kein Wettbewerber zu Opel - ganz zu schweigen davon, dass Österreich mit einer eigenen Automobilmarke Opel die deutschen Touristen mit noch größerer Gastfreundschaft bedenken würde. Hat Opel technisch die Möglichkeit, allein zu überleben, wenn neue Eigentümer gefunden werden und die Trennung von GM reibungslos über die Bühne gehen sollte?Becker: Technisch gesehen ja, denn Opel hat bekanntlich ein ausgezeichnetes Entwicklungszentrum, dass von der Mutter GM reichlich genutzt aber selten bezahlt wurde! Daher rühren ja zum großen Teil die finanziellen Probleme von Opel. Ansonsten gibt es nur eine Instanz, die das Überleben von Opel garantieren kann, nämlich Opel selber. Mit der Anschubfinanzierung gibt die Politik, sprich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Peer Steinbrück und die Länderchefs, Opel die Chance, sich am Markt zu behaupten. Marschieren muss Opel, in diesem Fall die Belegschaft, das Management und die Händlerschaft, dann selber. Wir leben in einer sozialen Marktwirtschaft: Sozial heißt, dass die Politik den Menschen bei Opel eine Chance gibt, über ihr Schicksal selber zu bestimmen - und das ist fair. Marktwirtschaft heißt, dass die Opelaner diese Chance dann auch nutzen müssen. Diese Arbeit kann ihnen niemand abnehmen, eine Bestandsgarantie gibt es in unserer Wettbewerbsordnung nicht - und das ist auch gut so.Wie viel öffentliche Gelder müssen Ihrer Auffassung nach in die Opel-Übernahme fließen?Becker: Nun, die Summe öffentlicher Gelder ist nach meiner Kenntnis auf 3,3 Milliarden Euro festgelegt. Wie viel dann zusätzlich noch von außen kommen muss, über Investoren, die Händlerschaft, auch von der Belegschaft, wenn sie den Mut aufbringt, in die eigene Zukunft zu investieren, ist nicht genau bekannt. Unter Einschluss von "Alt-Lasten", sprich Pensionsverpflichtungen, wird in Summe von sieben bis neun Milliarden Euro gesprochen. Können alle Werke erhalten bleiben?Becker: Dass entscheidet nach Gründung von "Opel-Neu" allein der Markt und die Wettbewerbsfähigkeit der neuen Gesellschaft. Das heißt konkret: Das entscheiden allein die Kreativität, Tüchtigkeit, Einsatzbereitschaft und Risikobereitschaft von "Management Neu" und vor allem von Belegschaft und "Betriebsrat-Neu". Detroit. Der US-Autobauer General Motors (GM) will für sein Europa-Geschäft rund um Opel noch in diesem Monat einen Partner finden. GM hoffe, noch im Laufe des Mai eine Vereinbarung zu haben, sagte Finanzchef Ray Young. Er machte zudem klar, dass GM kein Geld zur Unterstützung des Europa-Geschäfts geben könne. Opel kürzt zudem die Gehälter der Manager. Ab sofort werden europaweit rund 300 Opel-Führungskräfte zehn Prozent weniger Geld erhalten, sagte ein Sprecher. An Opel interessiert sind vor allem der italienische Fiat-Konzern und der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna. US-Präsident Barack Obama hat GM für einen endgültigen Sanierungsplan eine Frist bis Ende Mai gesetzt. Andernfalls droht eine Insolvenz als letzter Rettungsweg. GM selbst rast immer tiefer in die Krise. Im ersten Quartal wurden erneut sechs Milliarden Euro Verlust eingefahren. Seit Anfang 2005 hat der größte US-Autobauers damit ein Minus von insgesamt 88 Milliarden Dollar (66 Milliarden Euro) eingefahren. dpa


Zur PersonHelmut Becker ist Gründer und Chef des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK) mit Sitz in München. Der gebürtige Saarländer gründete das Institut im Jahr 1998. Zuvor war der promovierte Ökonom lange Jahre in der strategischen Konzernplanung von BMW tätig. Zuletzt war er Chefvolkswirt bei BMW. Beckers Institut IWK hat sich kürzlich auch in einer Studie mit der Zukunftsfähigkeit des Autolandes Saarland beschäftigt. Das Land kann gestärkt aus der Krise hervorgehen, heißt es dort. low