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Nur kurz am Herd

Meinung: Nur kurz am Herd

Meinung:

Nur kurz am Herd



Von Pia Rolfs

Wer sich nicht wehrt, endet am Herd - so hieß früher ein Spruch der Frauenbewegung . Offenbar wurde er in Deutschland allzu eifrig befolgt. Denn der Wutbürger wehrt sich heutzutage gegen alles, weshalb folgerichtig kaum noch jemand am Herd steht. Das zeigt eine GfK-Umfrage: Im Schnitt kochen die Deutschen pro Woche nur fünfeinhalb Stunden, das ist der viertletzte Platz unter 22 Nationen.

Eine naheliegende Erklärung wäre der Hang der Bundesbürger zur Effizienz - der unmittelbar in die Erkenntnis mündet, dass ein schmackhafter Drei-Minuten-Schmorbraten höchstens in der Gerüchteküche glücken kann. Vielleicht bildet aber die Statistik einfach die Besonderheit der deutschen Küche nicht angemessen ab. So kochen Bundesbürger manchmal vor Wut, viele Wichtigtuer tun's nur mit Wasser - beides sollte künftig in die nationale Wochenkochzeit mit einfließen. Und auch politische Entscheidungen zeigen hierzulande eine starke Affinität zur Küche: Sie entpuppen sich oft als Schuss in den Ofen.