Nuntucket: Kevin Spacey muss zum Gericht Spießrutenlaufen - Prozess wegen sexuellen Übergriffs

Prozess wegen sexuellen Übergriffs : Kevin Spacey muss zum Gericht Spießruten laufen

Für den „gefallenen“ Film- und TV-Star Kevin Spacey war bereits der Weg zum Gericht eine Tortur. Unzählige Reporter stellten sich ihm in den Weg, um ein Statement von dem zweifachen Oscar-Gewinner zu ergattern.

Spacey ist am Montag zur Anklageverlesung wegen sexuellen Übergriffs in einem Gericht in Massachusetts erschienen. Der 59-Jährige musste sich am Montag zwischen Journalisten und Kameraleuten hindurch den Weg zum Gerichtsgebäude auf der Insel Nuntucket bahnen. Er soll 2016 in einer Bar einen jungen Mann begrapscht haben und muss sich deshalb wegen Sittlichkeitsvergehen und Körperverletzung verantworten. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Vergeblich hatte der 59-jährige Hollywoodstar darum gebeten, sich von seinen Anwälten vertreten lassen zu können, doch Richter Thomas Barrett zeigte sich unnachgiebig. Seit Ende 2017 erste Vorwürfe gegen ihn auftauchte, ist der Schauspieler weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Spacey wird vorgeworfen, im Juli 2016 einen 18-jährigen Aushilfskellner in einem Restaurant der schicken Ferieninsel Nantucket betrunken gemacht und dann unsittlich berührt zu haben. Die Ermittler sind in Besitz eines Videos, das Spaceys Opfer während des Vorfalls mit seinem Smartphone selbst gedreht hatte. Der junge Mann, der sich dem Star gegenüber fälschlicherweise als 23-Jähriger ausgab, tauschte an dem Abend offenbar Nachrichten mit seiner Freundin aus. Weil diese ihm nicht glaubte, schickte er ihr ein Snapchat-Video.

Es ist der erste Fall, in dem Spacey ein Prozess droht. In einem Schreiben an Richter Barrett kündigte er an, dass er auf nicht schuldig plädieren will. Am 24. Dezember, dem Tag, an dem bekannt wurde, dass gegen ihn Anklage erhoben werden soll, postete Spacey auf YouTube ein seltsames Video, in dem er in die Haut von Frank Underwood schlüpft - seine Paraderolle in der Kult-Serie "House of Cards".

In dem dreiminütigen Video scheint Spacey das Schicksal Underwoods mit den Vorwürfen gegen ihn zu vermengen: "Ihr würdet kein Urteil vorschnell fällen, ohne die Fakten zu kennen, oder?", erklärte er und fuhr fort, dass natürlich einige Leute nur mit "angehaltenem Atem" darauf warteten, dass er alle Behauptungen bestätige und versichere, er habe bekommen, was er verdiene. "Nur Du und ich wissen, dass es nie ganz so einfach ist, nicht in der Politik und nicht im Leben", sagte Spacey.

Der zweifache Oscar-Preisträger gehörte lange Zeit zu den besten Schauspielern seiner Generation. Dann tauchten im Oktober 2017 erste Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen ihn auf, die eine ganze Flut an weiteren Anschuldigungen auslöste. Neben dem Fall in Nantucket laufen derzeit noch Ermittlungen gegen ihn in Los Angeles und in London, wo er zwischen 2004 und 2015 künstlerischer Leiter des renommierten Old Vic-Theaters war.

Die Vorwürfe führten zu Spaceys Absturz. Unter anderem verlor er seine Hauptrolle in der Netflix-Serie "House of Cards". Regisseur Ridley Scott ging so weit, ihn aus dem bereits abgedrehten Film "Alles Geld der Welt" zu schneiden und im Eiltempo die Szenen mit dem Schauspieler Christoph Plummer nachzudrehen.

Der Prozess ist der erste gegen Spacey seit 2017 erstmals Übergriffsvorwürfe gegen ihn laut wurden.

(felt/dpa/AFP/ap)
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