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„Lang andauernde Brände“
BUND fordert Aufklärung über schwelende Bergbauhalden in NRW

Die Bergehalde Wehofen-Nord in Dinslaken (Archivfoto).
Die Bergehalde Wehofen-Nord in Dinslaken (Archivfoto). FOTO: dpa / Roland Weihrauch
„Berge“ sagen Fachleute zu dem tauben Gestein, das bei der Kohleförderung übrig bleibt. Es ist nutzlos und wird zu Halden aufgeschüttet. In den Steinen stecken aber Kohlereste. Sie entzünden sich und brennen teils seit Jahrzehnten - auf Kosten der Umwelt.

Kurz vor dem endgültigen Ausstieg aus der Steinkohleförderung in Deutschland fordert die Umweltorganisation BUND Aufklärung über die seit vielen Jahren schwelenden Halden aus dem Abbau. „Allein in Nordrhein-Westfalen treten in zehn Halden lang andauernde Schwelbrände auf. Dort werden unbekannte Mengen schädlicher Gase freigesetzt“, sagte BUND-Bergbauexperte Dirk Jansen der Deutschen Presse-Agentur. Er beruft sich auf Angaben der zuständigen Aufsichtsbehörde, der Bezirksregierung Arnsberg. Die Kohleförderung endet offiziell Ende nächster Woche mit der letzten Ruhrgebietszeche in Bottrop.


Die Schwelbrände sind in der Region seit langem bekannt. Sie sind wahrscheinlich meist durch Selbstentzündung entstanden, weil die aufgeschütteten Steinschichten aus dem Abbau noch Kohlereste enthalten. Teils ließen sie sich über Jahrzehnte nicht löschen. Bis heute würden gefährliche Gase wie Methan, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid freigesetzt, beklagte Jansen. Die Luftbelastung im Umfeld der Halden werde zwar regelmäßig gemessen, es fehle aber eine Gesamtbilanz der Emissionen pro Halde, kritisierte der BUND. Die RAG als Zechenbetreiber müsse die Brandherde schnellstmöglich löschen und sanieren.

Nach der Antwort der Bergbaubehörde auf die BUND-Anfrage gibt es sogenannte Warmbereiche in sieben Halden im Ruhrgebiet, unter anderem in Gelsenkirchen, Gladbeck und Dinslaken. Hinzu kommen zwei Halden im Raum Aachen und eine in Ibbenbüren am Rand des Münsterlandes. Der BUND beziffert die Maximaltemperaturen der Schwelbrände auf bis zu 260 Grad Celsius. An zwei Halden liefen bereits langwierige Maßnahmen zur Brandbekämpfung, erklärte der BUND.



„Wir sehen das Problem, das alle ehemaligen Bergbaubetreiber haben“, sagte ein RAG-Sprecher. Halden mit Warmbereichen stünden unter Aufsicht der Bergbaubehörde mit regelmäßigen Messungen. Gleichzeitig versuche die RAG mit neuen Verfahren, den Sauerstoffeintrag in die Halden zu verringern - etwa durch das Einspritzen von Baustoffen oder Wasser. Dabei habe es bereits Fortschritte gegeben, sagte der Sprecher.

(mba/dpa)