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| 19:15 Uhr

Nordrhein-Westfalen streitet wieder ums Turbo-Abitur

Düsseldorf. Könnte es in Nordrhein-Westfalen eine Rückkehr zu neun Jahren Gymnasium geben? Die Frage bewegt zigtausende Eltern, Lehrer und Schüler im Land. Befeuert wird sie vor allem von der Kehrtwende der Landeselternschaft der Gymnasien zurück zu G9. Bei der traditionellen Pressekonferenz der Schulministerin kurz vor Ende der Sommerferien ließ die Debatte um das "Turbo-Abitur" gestern denn auch alle anderen Themen wie Zuwanderung, Inklusion oder Ganztag in den Hintergrund treten. Nicht zur Freude von Schulministerin Sylvia Löhrmann . "Wir befinden uns wieder einmal mitten in einer Strukturdebatte, statt die Arbeit an Inhalten und Qualität in den Vordergrund zu stellen", merkte die Grüne an. "Wenn nicht Wahlen wären, hätten wir die Debatte nicht." dpa-Mitarbeiterin Bettina Grönewald

Landtagswahlen stehen aber nun mal in knapp neun Monaten an. Und da wird die Unzufriedenheit mit dem "Turbo-Abitur" absehbar ein Wahlkampfschlager der Opposition. Zwei Parteien haben sich bereits klar positioniert: Die Piraten wollen zurück zu G9. Die FDP will Wahlfreiheit für die Gymnasien . In den übrigen Parteien brodelt es - auch die Jugendorganisationen von SPD und Grünen sind gegen G8.

Löhrmann äußert sich vorsichtig. "Es geht nicht um mich", wehrt die erfahrene Politikerin Fragen nach einer möglichen Kehrtwende ab. "Nicht ich entscheide am grünen Tisch. Ich arbeite nach dem größtmöglichen Konsensprinzip." Daher wolle sie um die Herbstferien herum alle relevanten Verbände und Interessenvertreter erneut am Runden Tisch zusammenrufen. Ende 2014 war es Löhrmann gelungen, die meisten Eltern- und Lehrerverbände sowie Landtagsparteien auf einen Grundkonsens einzuschwören. Der wurde in ein 10-Punkte-Papier zur Optimierung des Turbo-Abis gegossen. Zum Schuljahr 2015/16 sind Neuregelungen in Kraft getreten - unter anderem zur Begrenzung von Hausaufgaben, Nachmittagsunterricht und Klassenarbeiten. Doch die Verbesserungen kamen offenbar vielerorts nicht an. Nach einer Online-Befragung vermeldete die Landeselterschaft 88 Prozent Zustimmung für die Rückkehr zu G9 bei über 26 000 ausgewerteten Fragebögen.

"Ich möchte wissen, was die anderen Beteiligten davon halten", begründet Löhrmann die neuerliche Einberufung eines Runden Tisches. Ein Teilnehmer hat sich bereits deutlich geäußert: "Die Befriedung des achtjährigen Gymnasiums ist gescheitert", hatte der Lehrerverband Bildung und Erziehung die Umfrage kommentiert. Damit ist klar: Der Konsens bröckelt. Und die bevorstehende Landtagswahl setzt Rot-Grün unter Zugzwang. Zumal NRW im jüngsten Bildungsvergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft wieder nur Platz 14 von 16 Bundesländern belegt. "Veränderungen müssen durchdacht, umsichtig geplant und sorgfältig umgesetzt werden", mahnt Löhrmann. Auf diesem Weg sei die Landesregierung, und zwar sowohl bei der Verbesserung der Schulzeitverkürzung als auch beim Ausbau des Ganztagsabgebots, der Lehrerstellen, der Unterrichtsversorgung für Flüchtlingskinder und der Inklusion behinderter Schüler.

Die Opposition überzeugt das nicht. Löhrmann blende Probleme ihrer Bildungspolitik konsequent aus, kritisiert die FDP . Der Verband Lehrer NRW sieht es ähnlich. An den Schulen herrsche große Unruhe: "Löhrmann verkennt den Ernst der Lage."