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Noch eine Prognose: Jørgen Randers' Klimareport "2052"

Die UN-Klimakonferenz in Doha (Katar) im vergangenen Dezember war alles andere als ein Erfolg: Der in letzer Sekunde zusammengeschusterte "Mini-Kompromiss" beinhaltet zwar die Verlängerung des sogenannten Kyoto-Protokolls, jedoch ohne die Länder Russland, Kanada, Japan und Neuseeland Von SZ-Mitarbeiter David Lemm

Die UN-Klimakonferenz in Doha (Katar) im vergangenen Dezember war alles andere als ein Erfolg: Der in letzer Sekunde zusammengeschusterte "Mini-Kompromiss" beinhaltet zwar die Verlängerung des sogenannten Kyoto-Protokolls, jedoch ohne die Länder Russland, Kanada, Japan und Neuseeland. Außer vagen Perspektiven, verbunden mit dem hehren Wunsch, die CO2-Emissionen langfristig zu mindern, sind den Ländern keine festen Zusagen abzuringen. Stattdessen vertagt man sich auf 2015, um dann ein international verbindliches Klimaschutzabkommen zu beschließen, das im Jahr 2020 in Kraft treten soll.


Dabei wäre es höchtste Zeit, sich auf feste Ziele zu einigen, um das 2-Grad-Ziel noch zu erreichen und dem menschengemachten Klimawandel Einhalt zu gebieten, sagen Wissenschaftler. Doch die Widerstände der aufstrebenden Schwellenländer sind hart, denn auch sie wollen am Wohlstand westlicher Couleur partizipieren. Und die Lobby der Klimaskeptiker kämpft mit nicht minder harten Bandagen: Seit der noch geheime Klimareport des Weltklimarats IPCC im Dezember durch eine Indiskretion vorzeitig ins Netz gelangte, bietet er Klimaskeptikern die Gelegenheit, Details herauszupicken und für zum Teil haarsträubende Behauptungen zu missbrauchen.

Bereits 1972 machte sich der renomierte Klima- und Zukunftsforscher Jørgen Randers als Co-Autor des Reports "Die Grenzen des Wachstums" für ein ökologisches und ökonomisches Umdenken stark. Nicht ohne Folgen, denn das Konzept der "Nachhaltigkeit" ist 40 Jahre danach zumindest in den industriellen Ländern ein fester Bestandteil des kollektiven und politischen Bewusstseins. Doch wie Randers in seiner neuen, auch dieses Mal von der nichtkommerziellen Organisation "Club of Rome" in Auftrag gegebenen Studie bemerkt, hat das Erkennen der Probleme kein adäquates Handeln gezeitigt. Vielmehr gibt sich die Weltgemeinschaft immer wieder mit kurzfristigen Heftpflasterlösungen zufrieden.

Im Wissen, dass die Menschheit über die begrenzten, planetarischen Verhältnisse lebt, blendet sie mögliche Folgen und Risiken aus. Randers mag das nicht hinnehmen. In "2052" konfrontiert er die Leser mit den wahrscheinlichsten, weil datengestützten Prognosen, die natürlich Anlass zur Besorgnis geben, aber auch erkennen lassen, dass es noch nicht endgültig zu spät ist und es an jedem von uns liegt, an Randers Prognose etwas im Guten zu verändern.

Jørgen Randers: 2052. Der neue Bericht an den Club of Rome. Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre, Oekom, 432 Seiten, 24,95 Euro.