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Nimsgern ahoi

Hamburg/Saarbrücken. Kreuzfahrten, ein reines Vergnügen? Bei Frank Nimsgern stellen sich derzeit keine rechten Traumschiff-Gefühle ein. Dabei war er eben erst auf Testfahrt mit einem neuen Luxuskreuzer. Kurs Helgoland. Zugleich auch Stapellauf für seine neue Bordshow "Aqua" Von SZ-Redakteur Oliver Schwambach

Hamburg/Saarbrücken. Kreuzfahrten, ein reines Vergnügen? Bei Frank Nimsgern stellen sich derzeit keine rechten Traumschiff-Gefühle ein. Dabei war er eben erst auf Testfahrt mit einem neuen Luxuskreuzer. Kurs Helgoland. Zugleich auch Stapellauf für seine neue Bordshow "Aqua". Gestern Abend hat der Saarländer der "Mein Schiff" obendrein in Hamburg das Geburtstagsständchen gespielt. Mit viel Promis und Presse am Kai.



Netrebko sang am Kai

Und keine Geringere als Anna Netrebko sang dazu - die Primadonna (k)assoluta der Oper.

Spätestens jetzt müssten doch Traumschiffgefühle aufkommen? Nein, dazu sah's in Nimsgerns Terminkalender der vergangenen Monate einfach zu stürmisch aus. Von Hamburg nach Berlin, wo seine Show "Qi" im Friedrichstadtpalast läuft. Dann wieder nach London, um Aufnahmen mit der Netrebko zu machen (wir berichteten). Und wieder los nach Berlin. Denn der Komponist verantwortet für die Kreuzfahrtlinie Tui Cruises das Musik-Programm. Nicht nur "Aqua", die so genannte Flagshipshow, auch drei weitere Shows hat er dafür geschrieben. Für eine Bordbühne des für 50 Millionen Euro umgebauten Schiffs (als "Galaxy" lief es 1996 vom Stapel), die sogar das Saarbrücker Theater nach Plätzen übertrifft. Das Komponieren der Wassermusik war freilich eine Herausforderung. Schließlich galt es für ein bunt gemischtes Publikum zu schreiben. Und schnell musste es gehen. Erst im Herbst hat er bei Tui Cruises angeheuert. "Innerhalb kürzester Zeit wurde in Berlin eine eigene Firma aufgebaut", berichtet Nimsgern. Dort liefen Castings und Proben: sozusagen Trockenschwimmen fürs Hochsee-Entertainment.

Dabei bemisst der 40-Jährige sein Tun längst in großen Dimensionen. Allein 1,9 Millionen Tickets wurden mittlerweile für seine Shows und Musicals verkauft; davon eine Viertelmillion im Saarland. Einer der schwersten Brocken in der Bilanz: "Qi". Seit Oktober läuft die Show mit Eistanz, Akrobatik und Fernostweh in Berlin. Ihr Erfolg machte den dümpelnden Hauptstadt-Showdampfer wieder flott. "Jetzt wurde Qi um drei Monate verlängert", sagt der Komponist.

Für Nimsgern kein Grund, auszuruhen. Im Gegenteil: Dass just Opernsuperstar Anna Netrebko seine Schiffshyme aufnahm, sei ein Türöffner - und er sieht die Chancen. "Plötzlich reden Leute mit mir, die sich vorher meine CDs nicht mal angehört haben." Denn trotz aller Musical- und Showerfolge wird ihm die Klassik mehr und mehr zur Passion. Bei seiner Ocean-Suite steigert sich das gar zu sinfonischer Größe. Steuert Nimsgern nun im Kielwasser von Mahler und Strauss? "Eine sinfonische Dichtung könnte schon reizen", meint er. Umso mehr freut es ihn, dass sein Erfolg auch neue Möglichkeiten bringt. Etwa mit einem großen Orchester wie dem Filmorchester Babelsberg zu arbeiten.

"Highlander" der Musik

Von 7. November an wird man Frank Nimsgern freilich am Staatstheater wieder in bekannten Fahrwassern erleben. Dann wird sein Musical "Phantasma" in Saarbrücken uraufgeführt. Der Held des Ganzen, Giorgio Phantasma mutet wie der "Highlander" der Musik an. Er ist ein Star, der nicht sterben kann, weil er sein Herz eintauschte für unermesslichen Ruhm. Märchen und Mythen, aus diesem Stoff schöpfte Nimsgern schon immer gern - und auch hier sind es vertraute Bezugspunkte: Hauff, E.T.A. Hoffmann, Tim Taler, aber auch die maritime Schaueroper "Der Fliegende Holländer". "Knapp 70 Prozent" des Opus sind fertig, sagt Nimsgern. Sängerin Aino Laos und Elmar Ottenthal, einst Theaterchef am Theater des Westens, schreiben das Libretto. Ottenthal inszeniert das Muscial auch.

Klangkostproben versprechen einiges. Eine Zeitreise durch die Musik nämlich: Cancan in Paris, Chigaco-Sound der 30er, knackiger R & B aus den 70ern sind nur einige Stationen. Was mit mächtig Aufwand auf die Bühne kommen soll, verspricht Nimsgern. Und setzt alles daran, dass die Produktion von Saarbrücken aus in andere Städte wandern wird. Und danach, sagt der Rastlose, wolle er sich endlich mal wieder darum kümmern, dass er auch noch Filmmusikkomponist ist. Vielleicht entspannt er aber ja auch mal: bei einer Kreuzfahrt?

"Phantasma" feiert am 7. November im Staatstheater Premiere (www.theater-saarbruecken.de). Am 4. Juli gastiert Frank Nimsgern anlässlich der Musikfestspiele Saar mit einem Musicalprogramm im Merziger Zeltpalast (www.musikfestspiele-saar.de).