Gesund leben : Wie man seine Nieren ein Leben lang fit hält

Reichlicher Fleisch- und Wurstverzehr kann gesunde Nieren schädigen. Eine überwiegend pflanzliche Ernährung schützt hingegen und kommt wohl auch geschädigten Nieren zugute.

Bei bis zu acht Millionen Menschen in Deutschland sind die Nieren chronisch erkrankt, berichtet die Universitätsklinik Leipzig. Doch viele wissen nichts davon. Eine Studie der Universität Rochester im US-Bundesstaat New York besagt, dass drei Viertel der Menschen mit chronischer Nierenerkrankung davon nichts ahnen.

Seit Jahren erforschen Wissenschaftler, wie sich verschiedene Ernährungsstile auf die Nieren auswirken. Grundsätzlich hilft eine Ernährungsweise, die gut fürs Herz ist, auch den Nieren.

Eiweiß im Urin Wissenschaftler der Harvard-Universität in Boston haben zehn Jahre lang die Ernährungsweise und Nierenfunktion von 3348 gesunden Frauen untersucht. Dabei wurde auch nach Spuren von Eiweiß im Urin gesucht. Gesunde Nieren filtern giftige Stoffe aus der Blutbahn, die mit dem Urin ausgeschieden werden. Wichtige Nährstoffe jedoch, zu denen auch Eiweiße zählen, werden zurückgehalten. Geben Nieren dennoch Eiweiß ins Urin ab, weist das auf eine Funktionsstörung hin.

„Ein höherer Verzehr von tierischem Fett und zwei oder mehr Portionen rotem Fleisch (Schwein, Rind, Kalb, Schaf, Lamm, Kaninchen) und verarbeitetem Fleisch (Wurst, Schinken) pro Woche kann das Risiko für eine Mikroalbuminurie erhöhen“, schreiben die Wissenschaftler. Da der Urin normalerweise kein Eiweiß enthält, gilt der Nachweis von Albumin, einem speziellen Eiweiß, als Indiz für eine nachlassende Nierenfunktion. Da die Nieren dann das Blut nicht mehr richtig filtern, können sich Giftstoffe im Körper ansammeln.

Die Forscher nennen drei Bestandteile in tierischen Produkten, die mit einer nachlassenden Nierenfunktion zusammenhängen: Eiweiß, Fett und Cholesterin. Bei einem Übermaß können die Nieren wie andere Organe auch verfetten. Hingegen fanden die Wissenschaftler keinen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von pflanzlichen Eiweißen und pflanzlichen Fetten und einer nachlassenden Nierenfunktion.

Britische Mediziner belegten, dass die Ausscheidung von Albumin bei gesunden Personen nach tierischer Kost deutlich höher war als nach pflanzlicher Kost. Und Londoner Nierenspezialisten haben in einer Untersuchung mit 52 Teilnehmern gezeigt, dass Fleisch das Risiko für Nierenerkrankungen steigert. Eine rein vegane Ernährung hingegen scheint vorbeugend und bei bereits bestehender Nierenschwäche mildernd zu wirken.

Schädlicher Zucker In der letzten Generation treten chronische Nierenerkrankungen immer häufiger auf. Viele Forscher schreiben das einer fleisch- und zuckerreichen Ernährung zu. Haushaltszucker und Maissirup (Glukosesirup), ein billiger Süßstoff mit hohem Fruchtzuckergehalt, werden für einen erhöhten Blutdruck und einen hohen Harnsäurespiegel verantwortlich gemacht. Beides kann die Nieren schädigen.

Das Eiweiß in Fleisch kann die Säurebelastung der Nieren erhöhen und führt zur einer verstärkten Produktion von Ammoniak, einem Zellgift, das jede einzelne Zelle des Körpers überschwemmt. Dadurch können sogar im Gehirn irreparable Schäden entstehen. Und die Nierenzellen werden geschädigt. Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung wird oft geraten, ihren Eiweißverzehr einzuschränken, um weitere Störungen zu verhindern.

Ständig übersäuert Forscher der Universität von Kalifornien in San Francisco berichten, dass tierisches Eiweiß mehr Säure bildet, was schädlich für die Nieren sei. Eine Übersäuerung (Acidose) droht normalerweise nur Menschen, die schon Probleme mit dem Stoffwechsel haben, also an einer chronischen Nierenerkrankung oder Diabetes leiden. Allerdings sagen die kalifornischen Wissenschaftler: „Normale erwachsene Menschen mit westlicher Ernährungsweise sind chronisch leicht übersäuert.“ Gemeint sind hochverarbeitete Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Zucker, Salz und Fett, zudem Eiweiß aus rotem Fleisch.

Eine Analyse der Ernährung und Nierenfunktion von 12 239 erwachsenen US-Bürgern hat ergeben, dass eine ernährungsbedingte hohe Säurebelastung mit einem deutlich höheren Risiko verbunden ist, Eiweiß ins Urin abzugeben. Forscher der medizinischen Sinai-Hochschule in New York City gehen davon aus, dass eine lebenslange Überproduktion von giftigem Ammoniak mit der Zeit zum kontinuierlichen Nachlassen der Nierenfunktion und schließlich zu einer chronischen Nierenerkrankung führt. Ammoniak entsteht beim Abbau von Eiweißbaustoffen im Körper. Gemüse hingegen bildet Basen, die die Säuren in den Nieren reduzieren. Das mildert bereits bestehende Nierenschäden.

Gestörte Durchblutung Forscher der Universität Basel berichten, dass die westliche Ernährung unter anderem die Versorgung und Neubildung der Blutgefäße in der Niere sowie die Produktion von Hormonen in der Niere beeinträchtigt. Ein chronischer Nährstoffüberschuss könne zu verschiedenen Stoffwechselstörungen führen, die das Risiko für Nierenschäden erhöhten.

Wissenschaftler der Universität Turin raten Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen, den Verzehr von tierischen Eiweißen deutlich zu reduzieren. Ältere Patienten mit Nierenschäden sollten sogar ganz auf tierisches Eiweiß verzichten. Daher begrüßen die Experten, dass sich die „vegan-vegetarische Ernährung zunehmend verbreitet“.

Außer Gefecht „Ein hoher Konsum von tierischem Eiweiß kann einen verheerenden Einfluss auf die normale menschliche Nierenfunktion haben“, erläutert der Ernährungsforscher Dr. Michael Greger aus Takoma Park in Maryland, USA. Die Arbeitsbelastung der Niere könne dramatisch ansteigen. Die gesteigerte Durchblutung der Nieren wird Hyperfiltration genannt. Wenn sie nur ab und zu auftritt, bereitet das keine Probleme. Der Dauerkonsum von Fleisch und Wurst kann die Nieren mit der Zeit jedoch außer Gefecht setzen.

Die Professorin Dr. Katalin Fogarasi-Nuber von der Universität Pécs, Ungarn, weist darauf hin, dass bei einer geschädigten Niere die noch gesunden Nierenkörperchen überlastet sind. Die Zufuhr von Protein sollte eingeschränkt werden, um die Arbeitsbelastung der Nieren zu begrenzen, sagt Fogarasi-Nuber.

An der medizinischen Sinai-Hochschule in New York City haben Untersuchungen gezeigt, dass bei gesunden Menschen die Filtrationsrate der Nieren zweieinhalb Stunden nach dem Verzehr von Protein ansteigt. Bei Patienten mit einer verringerten Anzahl von Nierenkörperchen ist diese Funktion jedoch eingeschränkt oder fehlt ganz. Das Blut wird nicht mehr richtig gefiltert.

Pflanzliches Eiweiß Wissenschaftler der Universität Niigata, Japan, haben untersucht, ob Nieren auf tierisches Eiweiß (Gerichte mit Thunfisch) anders reagieren als auf pflanzliches Eiweiß (aus Soja hergestellte Bohnengallerte). Unter anderem wurde getestet, wie sich die verschiedenen Proteine auf die Menge des gefilterten Blutes, die Ausscheidung von Albumin-Eiweißen mit dem Urin oder die Konzentration von Aminosäuren auswirken. An der Studie nahmen elf gesunde sowie 20 Probanden mit Diabetes teil.

Die Konzentration der Aminosäuren Alanin, Glycin und Arginin, von denen bekannt ist, dass sie in der Niere eine Hyperfiltration auslösen, stiegen nach der Einnahme von Thunfisch stärker an als nach dem Verzehr von Bohnengallerte. Dass tierisches Eiweiß die Nieren stärker belastet als pflanzliches Eiweiß, liegt in der unterschiedlichen Aminosäuren-Zusammensetzung der beiden Eiweißsorten (siehe Info-Kasten).

Heftige Reaktion Forscher der staatlichen Universität in Campinas, Brasilien, haben in einer Studie mit acht gesunden Teilnehmern ermittelt, dass die Nieren auf Mahlzeiten mit Rindfleisch oder mit Hühnerfleisch viel heftiger reagieren als auf eine Mahlzeit mit Sojabohnen. Die Autoren schreiben, Hühner- und Rindfleisch hätten einen ähnlichen Amonisäurengehalt und lösten einen ähnlichen Grad an Hyperfiltration aus. Bei bereits geschädigten Nieren sind die Auswirkungen des tierischen Eiweißes noch stärker.