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Nicht viel besser als die Bahn

Berlin. Wer einen Flug bucht, muss oft zusätzliche Zeit einrechnen. Sechs Prozent der Passagiere haben mehr als eine halbe Stunde Verspätung. Die Grünen fordern einen besseren Verbraucherschutz. Von SZ-Korrespondent Werner Kolhoff

Von den rund 550 000 Passagieren, die täglich auf deutschen Flughäfen starten oder landen, müssen 33 000 mit einer Verspätung von über 30 Minuten rechnen, 1500 davon sogar mit mehr als drei Stunden Verzögerung. Das geht aus einer Statistik hervor, die die Grünen für das Jahr 2012 ermittelten und die unserer Zeitung vorliegt. Demnach hat sich die Lage im Vergleich zu 2011 nicht gebessert - auch nicht die Aussicht auf eine Entschädigung.

Die Bundestagsfraktion der Grünen wertete Daten der niederländischen Firma "EU-Claim" für die vier größten deutschen Flughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf und Berlin-Tegel aus. "EU-Claim" ist ein Inkasso-Unternehmen für geschädigte Passagiere. Deren Angaben zufolge erfolgten auf den vier Flughäfen im vergangenen Jahr 30 957 Starts (4,5 Prozent) mehr als 30 Minuten verspätet, weitere 1245 Abflüge (0,2 Prozent) sogar um über drei Stunden. Den Negativrekord hält Düsseldorf mit 11,4 Prozent Startverspätungen. München ist zweitschlechtester mit 4,8 Prozent hinter Frankfurt mit 4,3 Prozent. Berlin-Tegel fiel mit nur 0,6 Prozent Verspätungen bei den Starts sehr positiv auf.

Bei den Landungen sind die Zahlen generell höher. Insgesamt kommen 6,8 Prozent der Maschinen mit mehr als 30 Minuten Verspätung an, bei weiteren 0,3 Prozent sind es sogar über drei Stunden. Hier verzeichnet Frankfurt mit 8,6 Prozent Verspätungen überdurchschnittliche Werte, Düsseldorf liegt mit 7,4 im Mittel und Berlin wie München mit jeweils 5,7 Prozent leicht darunter. Hinzu kommt bei allen vier Flughäfen eine Quote von etwa 1,2 Prozent der Flüge, die ganz gestrichen werden. Unter den Fluggesellschaften fiel der Ferienflieger Condor besonders negativ auf.

Die Grünen fordern einen besseren Verbraucherschutz für Passagiere. Denn die Verspätungen sind nicht nur ärgerlich, oft wird auch ein Anschlussflug verpasst oder ein indirekter finanzieller Schaden verursacht, etwa weil Geschäftstermine nicht mehr erreicht werden. Der Partei-Sprecher für Tourismuspolitik, Markus Tressel, sagte, das Informationsgebahren der Airlines über die Ansprüche der Fluggäste sei verbraucherfeindlich. Nur ein Viertel der Passagiere kenne die Rechte. Beschwerden würden meist abgewimmelt. Nirgendwo gebe es eine so große Kluft zwischen Recht und Rechtsdurchsetzung wie bei den Fluggastrechten. Angesichts der hohen Zahlen betroffener Kunden sollten die Fluggesellschaften eine gemeinsame Schlichtungsstelle einrichten und an allen großen Flughäfen eine Beratung anbieten, forderte Tressel. Notwendig seien auch um "niedrigschwellige" Hilfen, wie Verpflegung oder Unterbringung während der Wartezeiten. Strikt wandte der Grünen-Politiker sich gegen die Absicht der EU, eine finanzielle Entschädigung künftig erst nach fünf statt wie bisher nach drei Stunden Verspätung vorzuschreiben.