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Neues Herz- und Schmuck-Stück für die Hütte

Spektakulärer Zuwachs für das Völklinger Weltkulturerbe: die Brennerbühne der Sinteranlage. Hier entsteht ein Besucherinformationszentrum. Foto: Ruppenthal
Spektakulärer Zuwachs für das Völklinger Weltkulturerbe: die Brennerbühne der Sinteranlage. Hier entsteht ein Besucherinformationszentrum. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Völklingen. Der Rundgang durch das Weltkulturerbe Völklinger Hütte erweitert sich 2014 noch einmal. Die Sinteranlage wird erstmals zugänglich gemacht und zum neuen zentralen Startpunkt. Die SZ schaute sich jetzt schon um. Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig nennt das, was jetzt passiert "hochsymbolisch" und "schicksalhaft". Denn der Teil des Völklinger Weltkulturerbes, der noch vor zehn Jahren als unrettbar verloren galt, sprich dessen Öffnung für Besucher ausgeschlossen wurde, wird derzeit begehbar gemacht, inszeniert und umgestaltet - zum neuen Hütten-"Empfangssaal". Es ist die 1500 Quadratmeter große Brennerbühne der Sinteranlage, die in das "Unesco-Visitor-Center" verwandelt wird. Zur Frühjahrs-Saisoneröffnung 2014 soll alles fertig sein.

Inmitten des Raumes wird ein gigantisches virtuelles Modell der gesamten Hüttenanlage stehen, das alle Produktionsabläufe in 3-D-Simulation verständlich machen wird. - Eine Rundgang-"Revolution"? "Bisher war die Wahrnehmung der Besucher auf Einzelstationen beschränkt. Im neuen Besucherzentrum - Kosten: 500 000 Euro - erlebt man ein Gesamtpanorama", erklärt Grewenig. Möglich macht's die Saarbrücker Firma "White C", eine Ausgründung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Für das Hütten-Modell wird eine neuartige Laserscanning-Technologie eingesetzt, durch die das mehrere Hektar große Denkmal-Areal mitsamt aller Gebäude millimetergenau vermessen und dann realitätsgetreu wiedergegeben wird. Durch die neue Informationsstation in der Sinteranlage ändert sich die Wegführung der Besucher. Die werden zukünftig nach dem Ticketkauf - er verbleibt, wo er jetzt ist - direkt in das neue Besucherzentrum geführt, in dem alle Informationen gebündelt werden und abrufbar sind: Geschichte der Hütte, arbeits- und sozialgeschichtliche Hintergründe, Konzepte der Denkmalpflege, technische Prozesse und Daten.

Die Unesco hatte eine solche Infostation von Beginn an zur Auflage gemacht, schließlich sogar drohend eingefordert. Denn Grewenig ließ sich mit der Standort-Suche viel Zeit. "Wenn wir das Center nicht realisiert hätten, wäre der Weltkulturerbe-Rang verloren gegangen", räumt er ein. Stellt sich nun die "Gnade" des späten Handelns ein? Denn mit der Sinteranalage scheint ein nahezu optimaler Platz gefunden. Bisher startete der Rundgang mit einem eher emotionalen Zeitzeugen-Film in der Multimedia-Station. Was ab Frühjahr 2014 hinzu tritt, ist jedoch mehr als das von der Unesco eingeforderte Visitors-Center. Erschlossen und erklärt wird erstmals auch die gigantische "Maschine" Sinteranlage. Zwei Jahre dauerten die Arbeiten, die jetzt in der Schlussphase stecken. Heute schon ist die Bereicherung greifbar. Verstrebungen, Stützen und Rohre zeichnen unentzifferbare grafische Muster in den Raum, der sich wie kein zweiter in der Hütte als bizarre begehbare Skulptur darstellt. Die "Möblierung" mit Info-Stelen soll so karg wie möglich ausfallen, die "feurige" Lichtinszenierung im Zusammenspiel mit dunklen Ecken umso dramatischer.

"Wir werden das erste Indus-trie-Weltkulturerbe weltweit sein, das durchsaniert ist," sagt Grewenig. Und das trotzdem nie fertig wird und weiter wächst? Genau gegenüber der Sinteranalage ragt der Wasserhochbehälter auf. Kürzlich hat Saarstahl ihn dem Weltkulturerbe übergeben. Er soll neuer Ausstellungsort für Großprojekte werden und die Gebläsehalle in der Funktion ablösen. Auf dem Dach des angrenzenden Pumpenhauses wäre Platz für ein Panorama-Restaurant, die Besucher könnten direkt am Parkplatz "abgeholt" werden, müssten keine Straße überqueren… Schöne Träume? In Völklingen sind's keine Schäume, wie die Sinteranlage zeigt.

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HintergrundDie Sinteranlage ermöglichte 1928 erstmals ein innovatives Recycling-Verfahren im Verhüttungsprozess. Bevor Erze in die Hochöfen gefüllt wurden, musste man sie brechen. Dabei entstand Staub. Der wurde in der Sinteranlage angereichert und wieder zu festem Material "verbacken". Der Sinterkuchen entstand bei 1300 Grad. Die Völklinger Anlage war die erste Großanlage Deutschlands. Sie blies täglich 32 Tonnen Staub in die Luft. ce