Neuer Chef soll Opel besser steuern

Neuer Chef soll Opel besser steuern

Rüsselsheim. Der bescheidene Ingenieur geht, der harte Sanierer kommt: Hans Demant (59) macht nach fast sechs Jahren an der Opel-Spitze Platz für Nick Reilly, der zugleich Europachef der Konzernmutter General Motors (GM) ist. Reilly soll den angeschlagenen Autobauer wieder in die Erfolgsspur bringen und die Dauerkrise beenden

Rüsselsheim. Der bescheidene Ingenieur geht, der harte Sanierer kommt: Hans Demant (59) macht nach fast sechs Jahren an der Opel-Spitze Platz für Nick Reilly, der zugleich Europachef der Konzernmutter General Motors (GM) ist. Reilly soll den angeschlagenen Autobauer wieder in die Erfolgsspur bringen und die Dauerkrise beenden. Der Aufsichtsrat ernannte den 60 Jahre alten Briten gestern wie erwartet zum neuen Opel-Chef. Keine leichte Aufgabe, da sind sich die Experten einig: Viele Weichen werden auch künftig nicht am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim gestellt, sondern in der fernen Zentrale der US-Konzernmutter GM. Bei den Mitarbeitern muss Reilly zudem unbequeme Entscheidungen durchsetzen: Bis zu 9000 von 48 000 Arbeitsplätzen sollen in Europa gestrichen werden. Von den Mitarbeitern, die bleiben dürfen, verlangt GM finanzielle Opfer. Noch steht nicht einmal der Sanierungsplan. Reilly will ihn früheren Angaben zufolgte bis Ende Januar vorstellen. Das Konzept ist die Grundlage für Verhandlungen über Staatshilfen. GM hatte den Bedarf auf 3,3 Milliarden Euro beziffert, rund 2,7 Milliarden Euro sollen GM zufolge die Regierungen der Länder aufbringen, in denen Opel Standorte hat. Derweil lässt Opel aufgrund der schwachen Nachfrage 12 000 Mitarbeiter, also fast die Hälfte der Belegschaft in Deutschland, Werke im Januar und Februar kurzarbeiten.Und das Klima für die abschließenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmern ist rauer geworden: Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz schäumte, als Reilly auf der Autoshow in Detroit verkündete, sämtliche Forderungen der Arbeitnehmer seien noch offen. Franz wertet das als "unheimlichen Affront". Nach seinen Angaben hat Reilly als GM-Europachef am 10. Dezember schriftlich die Bereitschaft von GM erklärt, die Umwandlung in eine AG auf den Weg zu bringen. Bei der Kapitalbeteiligung sei nur die Frage offen, in welcher Höhe die Mitarbeiter im Gegenzug für ihren jährlichen Lohnverzicht von 265 Millionen Euro an dem Unternehmen beteiligt werden.Nach mehr als einem Jahr am Abgrund braucht Opel dringend Erfolge. "Opel muss jetzt die Weichen stellen für die Produkte von morgen und übermorgen", mahnte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. "Die Handschrift von Opel muss insgesamt bei den Modellen noch stärker zu sehen sein." Das sei beim Insignia und dem neuen Astra schon gelungen. Überraschend kommt der Führungswechsel nicht. Zu blass blieb Demant nicht erst in der jüngsten Krise. Als Techniker und Ingenieur ist Demant eine unbestrittene Kapazität. Die Rolle des Geschäftsführers, der Opel auch nach außen vertritt, blieb ihm jedoch fremd.

HintergrundGeneral Motors greift seiner deutschen Tochter Opel finanziell unter die Arme. Am 4. Januar seien 650 Millionen Euro nach Rüsselsheim überwiesen worden, heißt es in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC. Das Geld soll Opel helfen, die Zeit zu überbrücken, bis eine endgültige Finanzierung gesichert ist. dpa

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