Zahlreiche Ausnahmen für stromintensive Betriebe geben den Ausschlag.

Strompreise steigen 2020 : Höhere Umlagen belasten 2020 die Strompreise

Ehe es billiger wird, wird es erst einmal teurer. Ab 2021 will die Regierung laut Klimapaket die EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien zwar um 0,25 Cent je Kilowattstunde senken. Doch vorher steigt 2020 der Beitrag, den alle Verbraucher für den Ausbau der erneuerbaren Energien zahlen müssen, kräftig.

Einer der Kostentreiber sind die Ausnahmen für stromintensive Industrien.

Jetzt sind die Schätzungen der Stromnetzbetreiber für alle fünf Arten von Sonderumlagen bekannt, die zusammen rund ein Viertel der Stromkosten ausmachen. Den Rest bestimmten die Herstellungskosten, Netzentgelte und Steuern. Schon länger war klar, dass die EEG-Umlage um 0,351 Cent je Kilowattstunde auf 6,756 Cent steigen wird. Ein Plus von 5,5 Prozent. Einen weiteren kräftigen Impuls setzt nun die Teilbefreiung großer industrieller Stromkunden von Netzentgelten. Die Paragraph 19-Umlage steigt um 17,4 Prozent auf 0,358 Cent je Kilowattstunde. Das geht aus Unterlagen der Netzbetreiber hervor, die unserer Zeitung vorliegen. Die teure (0,416 Cent) Offshore-Umlage bleibt gleich, während die KWK-Umlage für Kraft-Wärme-Kopplung leicht um 0,054 Cent sinkt. Die unbedeutende Umlage für Abschaltungen erhöht sich leicht auf 0,007 Cent.

Nach einer Zusammenstellung der „Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung“ (ASEW) steigen alle Umlagen zusammen 2020 auf 7,763 Cent je Kilowattstunde. Das ist nach drei Jahren des regelmäßigen Rückgangs ein kräftiger Sprung um 0,352 Cent nach oben und übersteigt das, was die Regierung an Senkungen plant, deutlich. Die Stromkunden könnte das bis zu 18 Euro im Jahr kosten.

Für mehr erneuerbare Energien müssen die Verbraucher kräftig zahlen. Foto: dpa/Uwe Zucchi

Die Entlastung von 5000 bis 6000 Firmen von den Netzentgelten wird von den Grünen heftig kritisiert. Es handele sich um „eine illustre Ansammlung von Unternehmen“, sagte ihr Fraktionsvize Oliver Krischer unserer Zeitung. Neben Metall- und Zementherstellern finden sich auch Schlachthöfe, Banken, Energiekonzerne und Lebensmittel-Discounter auf der Liste. „Die Energiewende hat eine soziale Schieflage, denn für solche Entlastungen müssen private Haushalte mehr zahlen“, kritisierte Krischer. Die Regelung führte 2011 eine schwarz-gelbe Regierung ein, weil man dachte, nach dem Atomausstieg stiegen die Strompreise. Diese haben sich an der Börse seit 2011 mehr als halbiert. Die Netzentgeltentlastungen für die Unternehmen sind dennoch stetig angestiegen und summieren sich auf 1,22 Milliarden Euro jährlich.

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