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Zahl der Leiharbeiter auf Höchststand

Zahl der Leiharbeiter auf Höchststand

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten als Leiharbeiter. Mit 961 000 Leiharbeitnehmern gab es im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand, wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zeigt. Im Jahr 2014 waren es noch rund 50 000 Leih- oder Zeitarbeiter weniger. In den Jahren davor schwankten die Zahlen zwischen 610 000 und 910 000. Das mittlere Bruttogehalt von Leiharbeitnehmern lag nach den jüngsten Zahlen bei 1700 Euro und somit deutlich unter dem Gehalt anderer Beschäftigter. 5,7 Prozent der Leiharbeitnehmer haben Anspruch auf ergänzende Leistungen und stocken ihr Gehalt mit Hartz IV auf. Insgesamt beschäftigte die Metall- und Elektroindustrie mit 36 Prozent die meisten Leiharbeitskräfte gemessen an allen Leiharbeitern.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD ) will per Gesetz gegen Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen vorgehen. Sie kündigte im Bundestag an, das Gesetz werde im September ins Parlament eingebracht. Zum ersten Mal gebe es eine Höchstverleihdauer. "Es wird mit dem Missstand Schluss machen, dass Unternehmen gezielt Leiharbeiter als Streikbrecher einsetzen." Der Linken-Fraktionsvize Klaus Ernst , der die Anfrage gestellt hatte, kritisierte, fast niemand werde von besserer Entlohnung profitieren. "Die Ministerin streut den Betroffenen nur Sand in die Augen." Hintergrund ist, dass laut den jüngsten Zahlen nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis neun Monate oder länger besteht. 15 Prozent dauern 15 Monate, zwölf Prozent über 18 Monate. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Leih- oder Zeitarbeitnehmer künftig nach neun Monaten genauso wie die Stammbelegschaften bezahlt werden.

Meinung:

Zwiespältiger Erfolg

Von SZ-Korrespondent Stefan Vetter

Ist der neue Beschäftigungsrekord bei der Leiharbeit nun gut oder schlecht? Die Antwort muss zwiespältig ausfallen. Leiharbeit soll dazu dienen, Auftragsspitzen in Betrieben abzuarbeiten. Damit ist sie auch ein Indikator für die Konjunktur im Land. Viele Leiharbeiter - das bedeutet, dass die Wirtschaft brummt. Insofern handelt es sich also um eine gute Nachricht. Wahr ist aber auch, dass Unternehmen mit der Leiharbeit ein Mittel in der Hand haben, um die Stammbelegschaft unter Druck zu setzen, bei Löhnen und bei den Arbeitsbedingungen. Die Berliner Politik hat diesem Treiben viel zu lange tatenlos zugeschaut.