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Wohnungsinhaber müssen in Paris bei Airbnb Registrierungsnummer angeben

Wohnungsinhaber müssen Riegistrierungsnummer angeben : Das Ende des Airbnb-Wildwuchses in Paris

Vermieter von Wohnungen auf der Internetplattform werden in der französischen Hauptstadt strenger kontrolliert. Die Hoffnung ist, dass sich der Mietmarkt etwas entspannt.

Paris und Airbnb liefern sich seit Jahren eine Fehde. Nun hat die französische Hauptstadt einen Sieg errungen. Die privaten Anbieter von Wohnungen müssen auf der Buchungsplattform in Zukunft eine Registrierungsnummer angeben. Geschieht dies nicht, ist die Anzeige zwar zu sehen, doch eine Reservierung ist nicht möglich. „Wir entfernen die Anzeige nicht“, bestätigt ein Sprecher von Airbnb, sie werde allerdings so lange blockiert, bis der Vermieter die fehlende Registrierung nachgereicht habe. Dieselbe Regelung gilt auch in Bordeaux und ab Herbst in Lille, Marseille, Nantes, Nizza, Straßburg und Toulouse.

In Paris ist der Markt vor allem für kleine Wohnungen außer Rand und Band. Der Grund: Die Vermieter können mehr Geld damit machen, ihre Wohnungen für horrende Summen an Touristen zu vermieten. Da bleiben die Einheimischen auf der Strecke. Vor allem viele junge Leute haben längst die Innenstadt verlassen und sind in die Vorstädte gezogen, sie können sich die Mieten nicht mehr leisten.

Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, hatte schnell einen der Schuldigen für diese immer wieder beklagte Situation ausgemacht: Airbnb. „Es reicht! Ich habe beschlossen, die Websites zur Verantwortung zu ziehen“, ließ sie einst wissen und zog vor Gericht. Im vergangenen Jahr hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) die schärferen Regeln in Frankreich bestätigt. Die EU-Staaten dürfen nach Ansicht der Richter die kurzzeitige Vermietung einer Wohnung an Touristen genehmigungspflichtig machen. Die Bekämpfung des Wohnungsmangels sei im allgemeinen Interesse, hieß es zur Begründung. Sie rechtfertige eine solche Maßnahme (Az. C-724/18 und C-727/18).

Die neue Regelung mit der Registrierungsnummer soll vor allem verhindern, dass die privaten Anbieter ihre Wohnungen länger als die erlaubten 120 Tage pro Jahr anbieten. In Städten wie Paris war es ein offenes Geheimnis, dass diese Einschränkung von vielen Vermietern schlicht ignoriert wurde. Stichproben in Paris hatten ergeben, dass mehrere tausend Wohnungen praktisch illegal auf dem Markt waren.

„Dieser neue Schritt ist Teil der Verpflichtung von Airbnb, sich für einen verantwortungsvollen Tourismus einzusetzen“, erklärt das Unternehmen in einer offiziellen Stellungnahme die Einführung der neuen Regelung.

Die Verantwortlichen in Paris zeigen sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. „Es ist ein Sieg“, sagt Ian Brossat, in der französischen Hauptstadt zuständig für den Wohnungsmarkt. Er betont, dass Airbnb schon vor fünf Jahren aufgefordert wurde, die Registrierungsnummer einzuführen. Nur knapp über die Hälfte der 30 000 Wohnungen, die auf der Plattform angeboten werden, hätte im Moment eine solche Kennzeichnung.

Diese Aussage wird von Airbnb allerdings als falsch zurückgewiesen. Die überwiegende Mehrheit der Übernachtungen in Pariser Wohnungen seien in Unterkünften gewesen, die zuvor registriert oder von der Registrierungsfreiheit ausgenommen gewesen seien, heißt es in einer Mitteilung von Airbnb. Zudem hätten bei den Einträgen ohne Registrierungsnummer „97 Prozent in den letzten drei Monaten keine Reservierungen“ verzeichnet.

Ziel der Plattform ist es offensichtlich, das bisweilen sehr schwierige Verhältnis zu den Touristen-Metropolen zu entspannen. Auf Seiten der Stadt Paris ist allerdings die Geduld zu Ende, und man wirft dem Unternehmen vor, zu lange auf Zeit gespielt zu haben. Ian Brossat verweist nun auf die sehr hohen Strafen, sollte sich Airbnb nicht an die Vorgaben halten. Wird eine Wohnungsanzeige ohne Registrierungsnummer auf der Seite des Anbieters veröffentlicht, droht ein Bußgeld von bis zu 12 500 Euro.

Anne Hildalgo, Bürgermeisterin von Paris, verteidigt die harte Linie der Stadt. Sie könne verstehen, wenn sich jemand angesichts des teuren Lebens in Paris hin und wieder etwas über Airbnb hinzuverdienen möchte, erklärt sie. Das Untervermieten von Zimmern sei inzwischen aber zu einer florierenden Industrie geworden, sagt Hidalgo, was dazu führe, dass sich ein normaler Einwohner keine Wohnung mehr im Stadtzentrum leisten könne. In ihren Augen sind die Rahmenbedingungen in der französischen Hauptstadt noch immer zu lasch. Aus diesem Grund will Anne Hidalgo die Regelungen für Vermietungen von Privatleuten noch weiter zu verschärfen. Sie kann sich vorstellen, dass in Zukunft die Leute in Paris ihre Wohnungen nur noch für 30 Tage im Jahr vermieten dürfen, anstatt der bisher geltenden 120 Tage.