Flüchtlingspolitik: Wirtschaft kritisiert Abschiebungen

Flüchtlingspolitik : Wirtschaft kritisiert Abschiebungen

Hüther: Ausgebildete und und gut integrierte Asylbewerber müssen bleiben dürfen.

Aus der Wirtschaft kommt Kritik an der Abschiebepraxis der Bundesländer. Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, bezeichnete es in der „Bild“-Zeitung   als „völlig unsinnig“, dass gut ausgebildete und integrierte Beschäftigte abgeschoben würden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kritisierte mangelnde Sicherheit für Unternehmen.

„Bereits heute bildet jedes sechste deutsche Unternehmen Flüchtlinge aus“, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer, Volker Treier, in Berlin. Mindestens ebenso viele Betriebe wollten dies in den nächsten Jahren tun. „Derzeit kommt es aber bei der Umsetzung der dafür wichtigen 3-plus-2 Regelung zu unterschiedlichen Behördenentscheidungen, die auch zu Lasten von Auszubildenden und der Betriebe getroffen werden“, beklagte er.

Die 3-plus-2-Regelung sieht vor, dass Asylbewerber in Deutschland bleiben dürfen, wenn sie einen Ausbildungsplatz haben – und zwar für die Dauer der Ausbildung sowie zwei weitere Jahre, wenn sich eine Beschäftigung anschließt. Treier forderte, diese Regelung bundesweit einheitlich anzuwenden, was bislang offenbar nicht der Fall ist.

Hüther sagte, jeder, der etwas könne, werde hierzulande benötigt. „Da ist es doch egal, ob er auf der Suche nach Asyl oder nach Arbeit eingereist ist.“ Der Fachkräftemangel sei eine der größten Sorgen der Wirtschaft, sagte der Wirtschaftsforscher. „Wenn permanent die Ausreise oder Abschiebung droht, nimmt niemand mehr die Kosten und Mühen auf sich, einen Flüchtling auszubilden und ihm Deutsch beizubringen“, mahnte er.

Hüther erneuerte die Forderung, Menschen den Wechsel vom Asyl-System ins System der Einwanderung zu ermöglichen. „Ist der Krieg im Herkunftsland vorbei, droht, dass ein oft gut integrierter, geschätzter Kollege mit sicherem Einkommen das Land verlassen muss“, erklärte der IW-Direktor. Das sei volkswirtschaftlicher Unsinn. Dieser sogenannte Spurwechsel war immer wieder gefordert, aber stets abgelehnt worden.

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