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„Wir sind besessen vom Geld“

„Wir sind besessen vom Geld“

Als Schauspielerin gehört Jodie Foster zur ersten Riege Hollywoods. Für ihre Hauptrollen in „Angeklagt" und „Das Schweigen der Lämmer“ bekam sie Oscars. Doch die 53-Jährige führt auch Regie („Familienfest und andere Schwierigkeiten“, „Der Biber“). In ihrem neuen Film „Money Monster“ erzählt Jodie Foster die Geschichte eines verzweifelten Familienvaters, der sein gesamtes Vermögen verliert, weil er den Tipps eines TV-Börsen-Gurus (George Clooney) vertraut. Vor laufenden Kameras nimmt er den Moderator als Geisel. SZ-Mitarbeiter André Wesche sprach mit ihr über Geld, Burnout und das Regieführen.

Ihr Projekt wurde freigegeben, als die Zusagen von Julia Roberts und George Clooney vorlagen. Hat Ihr Name nicht ausgereicht?

Foster: Es ist keine Überraschung, dass Mainstream-Filme mit einem größeren Budget erst grünes Licht bekommen, wenn Stars mitwirken. Ich bin hier nur die Regisseurin, das zählt nicht. Niemand würde sich einen Film ohne Stars anschauen, nur weil ich ihn inszeniert habe. Es hängt von der Größe des Projektes ab. Ein Film wie dieser braucht Ressourcen, es gibt Waffen, Bomben und Helikopter, all diese Kameras und Monitore. Das lässt sich ohne Geld nicht verwirklichen.

Als Schauspielerin sieht man Sie in erster Linie in Mainstream-Filmen, Ihre eigenen Werke sind dagegen eher im Independent-Sektor angesiedelt. Wie kommt das?

Foster: Es stimmt, ja. Insofern ist "Money Monster" auch ein Experiment für mich als Regisseurin, denn es ist ein Mainstream-Film. Vielleicht passe ich als Schauspielerin besser in Mainstreamfilme. Dort bevorzuge ich Geschichten über Einzelpersonen. Ich mag Dramen, die sich mit der Angst auseinandersetzen. Als Regisseurin gefallen mir Ensemblefilme, gern auch ausgelassen und geistreich. Das gilt normalerweise für Independent-Filme. Aber ich bin offen, verschiedene Dinge auszuprobieren. Meine Regiekarriere ist noch jung, ich habe erst vier Filme inszeniert.

Ist die Schauspielerei für Sie nicht mehr so interessant?

Foster: Ich fühle mich immer mal wieder ausgebrannt. Ich bin mir aber sicher, dass ich auch wieder vor der Kamera stehen werde. Aber nun ist es für mich erst einmal an der Zeit, mich auf das Regieführen zu fokussieren.

Wie tief ist Ihr Verständnis für die Finanzmärkte?

Foster: Ich kenne mich mittlerweile ganz gut aus, nach all den Recherchen für diesen Film und Treffen mit Menschen, die mich beraten haben. Ich begann mich zum ersten Mal für die Materie zu interessieren, als "Orion" bankrottgegangen ist, das Studio, das meine Filme "Das Schweigen der Lämmer" und "Das Wunderkind Tate" herausgebracht hatte. Das hat mir die Augen dafür geöffnet, was in der Finanzbranche alles passieren kann. Dieses System ist erstaunlich kompliziert und niemand versteht es wirklich. Die Regeln und die daraus folgenden Komplikationen werden von den Leuten gemacht, die von ihnen profitieren. Es liegt in ihrem Interesse, Otto Normalverbraucher aus diesem Prozess herauszuhalten. Das maximiert den Profit.

Wenn das Spektakel vorüber ist, gehen die Menschen im Film wieder zur Tagesordnung über, interessieren sich nicht mehr für den Anderen. Sehen Sie die Welt so?

Foster: Ich glaube schon, dass die Menschen Anteil nehmen. Aber dann machen sie weiter. Bald schon wird das nächste Ereignis, das nächste Drama die Nachrichten bestimmen. Das liegt in der Natur des Menschen und ich möchte das auch nicht negativ kommentieren. Unsere Kultur ist an diesem Punkt angelangt, weil wir 24 Stunden lang mit Nachrichten bombardiert werden. Eine seltsame Kombination aus Unterhaltung, Infotainment und Journalismus verleiht uns ein Gefühl von Verbundenheit. Dabei gehören wir nie wirklich dazu.

Ist es typisch amerikanisch, immer den Wettbewerb zu suchen?

Foster: Ich glaube, das findet man heute weltweit. Ja, wir Amerikaner sind vom Geld besessen. Jede Generation hat das Bedürfnis, sich selbst als etwas Besonderes zu definieren. Das kann sowohl die guten Seiten des amerikanischen Traums hervorbringen als auch die negativen. Ohne Geld bist du nichts wert. In der Vereinigten Staaten ist nichts anderes von Bedeutung. Einen anderen Maßstab kennen wir nicht.

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