Weg vom Acht-Stunden-Tag

Mit gegensätzlichen Vorstellungen gehen die Metall-Tarifpartner in die Diskussion um künftige Arbeitszeiten. Während die Arbeitgeber flexiblen Einsatz fordern, will die IG Metall mehr Mitsprache für Beschäftigte.

In der Metall- und Elektroindustrie wird die Arbeitszeit zum neuen Streitthema der Tarifpartner . Während der Arbeitgeberverband Gesamtmetall eine Abkehr vom starren Achtstundentag anregt, schwebt der IG Metall eine neue Arbeitszeitkultur vor, in der die Belange der Beschäftigten wichtiger genommen werden als bislang. Beide Seiten zeigen sich offen, Details über Tarifverträge zu gestalten.

"Der Achtstundentag kann nicht mehr so starr sein wie bisher", sagt Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger. "Es muss einfach möglich sein, dass ein Mitarbeiter nachmittags um vier heimgeht, das Kind aus der Kita abholt, abends um 21 Uhr ins Bett bringt und sich dann noch mal zwei Stunden an die Arbeit setzt." Dulger begrüßt die von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD ) vorgeschlagene Arbeitszeit-Probephase über zwei Jahre. "Ich halte es für einen mutigen Schritt von Frau Nahles zu sagen, lasst das doch mal die Tarifpartner machen." Nach seinen Vorstellungen könnte ein Gesetz "so aussehen, dass man eine tarifliche Öffnungsklausel vorsieht und sagt: Statt des Achtstundentages gilt eine Wochenarbeitszeit von x Stunden". Nahles hatte ein Gesetz für einen neuen Arbeitszeitrahmen bei klaren Grenzen für die maximale Länge der Arbeitszeit und Ruhezeiten vorgeschlagen.

An der Wochenarbeitszeit von 35 Stunden beziehungsweise 38 Stunden in den neuen Bundesländern will Gesamtmetall laut Dulger nicht rütteln. Es gehe ihm um Flexibilisierung, "es geht darum, dass sie in bestimmten Lebensphasen ein paar Jahre 40 oder 42 Stunden arbeiten können."

Die IG Metall verfolgt hingegen das Ziel, das Vollzeitarbeitsvolumen für Beschäftigte in besonderen Lebenslagen zumindest zeitweise absenken zu können. Wer Kinder erzieht, Angehörige pflegt oder sich beruflich fortbildet, sollte die Arbeitszeit in einem Korridor zwischen 28 und 35 Stunden wählen können und zum Lohnausgleich einen staatlichen Grundzuschuss sowie tarifliche Leistungen erhalten, schlägt der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann vor. Die Leistungen sollten steuerfrei gestellt und auch keine Krankenkassen-Abgaben erhoben werden.

"Wir haben seit der Krise 2008/2009 wieder einen ungebremsten Aufschwung in Sachen Arbeitszeiten. Sie wurden in Länge, Lage und Intensität noch einmal deutlich ausgeweitet", stellt Hofmann fest. Mehr Schichtarbeit für immer weitere Beschäftigtenkreise, zu prall gefüllte Arbeitszeitkonten, ständige Erreichbarkeit und wenig Rücksicht auf private Belange seien einige der drängendsten Probleme. Starre, häufig mit falschen technischen Begründungen durchgesetzte Arbeitszeitregeln schafften nach Ansicht der Gewerkschaft eine Vielzahl von Problemen. "Mit Arbeitszeitmodellen, die mehr Selbstbestimmung erlauben, können auch hier viele Alltagsprobleme gelöst werden."

Der IG-Metall-Chef kritisierte das einseitige Streben der Unternehmen nach Flexibilität. Diese sei kein Selbstzweck. Viel wichtiger sei die Stabilität des Unternehmens in all seinen Beziehungen zu Kunden und Mitarbeitern.