Vor Weihnachten verdient die Spielwarenbranche am Meisten.

Hauptboom im Spielwarengeschäft : „Die Deutschen sind in Kauflaune“

Der Spielwarenhandel rechnet mit 3,4 Milliarden Euro Umsatz durch das Weihnachtsgeschäft bis zum Jahresende.

Jedes Jahr vor Weihnachten stellen sich Eltern erneut die Frage, was – und vor allem wie viel – sie ihren Kindern schenken. Die Wunschlisten sind lang, die Verlockungen in den Spielzeuggeschäften groß. In diesem Jahr könnte es an Heiligabend viele leuchtende Kinderaugen geben. „Die Deutschen sind in Kauflaune“, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Spielwaren, Steffen Kahnt, am Dienstag in Nürnberg. Und gerade bei den Kindern werde am wenigsten gespart.

Für die Spielzeuggeschäfte liegt Weihnachten in diesem Jahr besonders günstig. Der 23. und der 24. Dezember fallen auf einen Montag und Dienstag, die die Kunden für „Last-Minute-Einkäufe“ nutzen können. „Da wird es noch mal richtig rund gehen“, ist sich Kahnt sicher. November und Dezember sind für die Spielwaren-Händler traditionell die wichtigsten Monate des Jahres. Da erzielen sie 40 Prozent ihres Jahresergebnisses.

„Wir gehen ziemlich zuversichtlich ins Weihnachtsgeschäft“, sagte Kahnt. 3,4 Milliarden Euro werden die Deutschen den Prognosen zufolge am Ende des Jahres für Spielzeug ausgegeben haben, drei Prozent mehr als im Vorjahr. Neben wachsenden Einkommen kurbelt auch die seit Jahren steigende Geburtenrate die Nachfrage nach Spielzeug an. Deshalb blickt die Branche schon optimistisch auf das nächste Jahr.

Brettspiele, Holzspielzeug, Puppen, Kuscheltiere und Modelleisenbahnen finden sich in vielen Kinderzimmern. Die klassischen Spielzeuge seien 2019 die Wachstumstreiber für die Hersteller gewesen, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Verbandes der Spielzeugindustrie, Ulrich Brobeil. Und das nicht nur in Deutschland: Vor allem Gesellschaftsspiele hätten sich zu einem weltweiten Verkaufsschlager entwickelt. Besonders gefragt waren bei den Kindern in diesem Jahr Pokémon-Sammelkarten und andere Produkte mit den kleinen Comic-Taschenmonstern. Kleine Püppchen, die als Überraschung eingepackt sind, kamen bei Mädchen sehr gut an. „Die Mädchen lieben einfach alles, was mit Sammeln und Überraschen zu tun hat“, sagte Kahnt. 1,6 Millionen dieser Figuren wurden von Oktober bis Januar verkauft.

Zu Weihnachten füllen auch viele interaktive Spielzeuge die Regale in den Geschäften. Darunter sind zum Beispiel Kuscheltiere, die mit Kindern kommunizieren und sich bewegen. Per App lassen sich klassische Spielzeug-Traktoren steuern und Bauklötzchen-Spielwelten erwachen quasi zum Leben.

Eine große Rolle für die Branche spielen auch Fanartikel zu Filmen, Serien und Computerspielen wie „Harry Potter“, „Drachenzähmen leicht gemacht“ und „Fortnite“. Der Markt mit den Lizenzen ist nach Angaben von Marktforschern von Januar bis Oktober um fünf Prozent gewachsen und stärker als der Gesamtmarkt. Ein Dauerbrenner sei „Die Eiskönigin“. Mit dem Start des zweiten Teils des Animationsfilms erwarten die Händler wieder einen Hype um die Produkte. Beim Spielzeugverkauf gewinnt das Internet an Bedeutung. 40 Prozent ihrer Einkäufe erledigen die Kunden schon online. Das setzt traditionelle Geschäfte unter Druck. Jedes Jahr geben laut Kahnt 100 Spielwarenhändler auf. Am erfolgreichsten seien Geschäfte mit eigenem  Onlineshop.

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