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Verhaftete Manager standen im Fokus der Finanzaufsicht

Verhaftete Manager standen im Fokus der Finanzaufsicht

Die vier inhaftierten Manager haben schon seit 2014 Ärger mit der Finanzdienstleitungsaufsicht. Neben bandenmäßigen Betrugs wird wegen Verstößen gegen das Kreditwesengesetz ermittelt.

. Nach einer Großrazzia, bei der vier Finanz-Jongleure verhaftet wurden, wurden weitere Details zu den Aktivitäten der Männer, die sich im Internet als "geniale Gründer" feierten, bekannt: Telefonisch soll der inhaftierte 38-jährige Finanzmanager aus Zweibrücken einige Kollegen vor Fahndern gewarnt haben. Er habe aufgefordert, "die Koffer zu packen", wird berichtet. Dies haben Polizisten, die wohl Telefone überwachten, gehört. Seit Donnerstag letzter Woche sitzt der "geniale Gründer" wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft, wie seine drei Geschäftspartner im Alter von 54 bis 63 Jahren aus Riegelsberg, Saarbrücken und Wallerfangen. Wie bereits ausführlich berichtet (Wochenendausgabe), vollstreckten die Ermittler 126 Durchsuchungsbeschlüsse in mehreren Bundesländern - den Großteil im Saarland. Die Vorwürfe: gewerbs- und bandenmäßiger Betrug im großen Stil. Kapitalanleger und Investoren seien vorsätzlich geprellt worden. Der Schaden in zwei Ermittlungskomplexen (Alphapool und Bonofa) wird auf mehr als 20 Millionen Euro geschätzt. Gegen drei Inhaftierte wird auch wegen Verstößen gegen das Kreditwesengesetz und Insolvenzverschleppung ermittelt.

Hier stehen mutmaßlich kriminelle Geschäftsmethoden der Alphapool, einer Aktiengesellschaft, die später in eine GmbH gewandelt wurde, im Mittelpunkt. Das Unternehmen hatte ursprünglich seit März 2005 seinen Sitz in Saarbrücken , wechselte im Dezember 2014 als GmbH nach Leipzig. Dort meldete der Finanzdienstleister im Juni 2015 Insolvenz an. Ursache war, so der Insolvenzverwalter, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unerlaubte Bankgeschäfte untersagte.

Das Geschäftsmodell der Alphapool basierte auf dem Aufkauf von Kapital-Lebensversicherungen und Bausparverträgen. Den Anlegern wurden hohe Renditen versprochen, wenn sie ihr Geld in die Alphapool investierten. So wurde offenbar ab 2010 ein Modell angeboten, wonach 30 Prozent des Rückkaufwertes ausgezahlt und nach acht Jahren der Restbetrag verdoppelt werde. Nach SZ-Informationen gehen die Ermittler davon aus, dass die Finanzmanager nur zum Schein das eingenommene Geld investierten. Die Deutsche Bundesbank meldete bei einer Prüfung 2014 Zweifel an, ob die bilanziell überschuldete Alphapool in der Lage sei, Rückzahlungsverpflichtungen zu bedienen.

Das Geschäftsmodell der Alphapool-Manager basierte offenbar auf einem betrügerischen Schneeballsystem, Rückzahlungen an Kunden wurden - wenn überhaupt - mit Geld neuer Kunden geleistet.

In 873 Fällen übertrugen gutgläubige Kunden der Firma, der zwei saarländische Anwälte zur Seite standen, ihre Verträge. Der Schaden wird auf zehn Millionen Euro beziffert.