Neue Ausfälle im Nahverkehr Heute streiken Bus-Fahrer im Saarland – hier fallen Verbindungen aus

Update | Saarbrücken · Im Saarland fahren am heutigen Montag vielerorts keine Busse. Die gesamte Woche über wird Deutschland erneut zu Streiks im ÖPNV kommen. Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Mitglieder dazu aufgerufen.

Verdi-Streik heute beim Bus-Verkehr im Saarland
Foto: dpa/Annette Riedl

Die Gewerkschaft Verdi ruft bundesweit zu Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr auf. Auch das Saarland ist von den Streiks betroffen. Für den heutigen Montag, 26. Februar, hat die Gewerkschaft alle Tarifbeschäftigten des Tarifgebietes Saar in den Betrieben Saarbahn, Saarbahn-Netz, Neunkircher Verkehrsgesellschaft, Fahrzeugservice Neunkirchen, Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis (KVS/KVG) sowie bei der Völklinger Verkehrsbetriebe (VVB) zum Warnstreik aufgerufen. Allerdings verkehrt die Saarbahn selbst nach bisherigen Informationen regulär.

Verdi: Angebot der kommunalen Arbeitgeber im Saarland ist „völlig unzureichend“

Christian Umlauf, stellvertretender Geschäftsführer im Verdi-Bezirk Region Saar Trier, übt im Vorfeld der Streikmaßnahmen scharfe Kritik am Angebot des kommunalen Arbeitgeberverbandes Saar (KAV Saar). Dieses sei „völlig unzureichend“, denn wichtige Forderungen der Arbeitnehmerseite seien nicht berücksichtigt worden. Wie etwa „Urlaubsgeld, Samstagszuschlag, Krankengeldzuschuss und die Möglichkeit für Haustarifvertragsbeschäftigte den besseren Manteltarifvertrag zu wählen“.

Umlauf sieht beim KAV-Angebot noch erhebliches Steigerungspotenzial: „Das Angebot des KAV Saar ist zudem unklar hinsichtlich Beginn, Laufzeit und Höhe der Entgeltsteigerung.“ Die Streiks seien daher notwendig, um den Druck auf die Arbeitgeberseite weiter zu erhöhen: “Wir erwarten in der Verhandlung am 27. Februar 2024 ein abschlussfähiges Angebot, um weitere Arbeitskämpfe für die Fahrgäste zu vermeiden.“

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Die Gewerkschaft Verdi fordert unter anderem eine durchschnittliche Erhöhung des Monatsgehalts um 500 Euro – das Gehalt der Auszubildenden soll sich um 200 Euro erhöhen. Letztere sollen zudem den Führerschein bezahlt bekommen. Eine weitere Forderung ist die Reduzierung des maximalen Pausenabzugs auf 30 Minuten pro Schicht. Außerdem setzt sich Verdi für eine Nachtzulage in Höhe von 50 Prozent bei einer Dienstzeit zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens ein.

Verdi hat bereits in den vergangenen Wochen mit Streiks den Druck auf die Arbeitgeber erhöht

Wie die Gewerkschaft am Donnerstag in Berlin mitteilte, sind die Arbeitskämpfe regional an unterschiedlichen Tagen geplant, mit dem 1. März als Hauptstreiktag. Bayern ist als einziges Bundesland nicht betroffen. Parallel zu den Warnstreiks organisiert Fridays For Future für den 1. März zahlreiche Demonstrationen gegen die Klimakrise.

In den vergangenen Wochen gab es bereits mehrere Warnstreiks im ÖPNV in einzelnen Bundesländern. Am 2. bestreikte Verdi den öffentlichen Personennahverkehr in einer bundesweit koordinierten Aktion in nahezu allen Bundesändern. Damals waren nach Gewerkschaftsangaben mehr als 80 Städte und rund 40 Landkreise betroffen.

„Das Signal, das die Beschäftigten mit ihrem Streik am 2. Februar ausgesendet haben, ist anscheinend nicht ausreichend verstanden worden, denn die Tarifverhandlungen in den einzelnen Bundesländern sind nach wie vor ohne Ergebnis geblieben“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle laut Mitteilung. „Um endlich Bewegung in die Verhandlungen zu bringen, muss jetzt erneut Druck auf die Arbeitgeber ausgeübt werden. Deshalb rufen wir die Beschäftigten zu konzertierten Streiks auf.“

Verdi will Berufe mit besseren Arbeitsbedingungen attraktiver machen

Die Gewerkschaft verhandelt derzeit parallel in allen Bundesländern, in Bayern ist der Tarifvertrag aber nicht gekündigt. Dadurch kann dort nicht gestreikt werden.

In den meisten Runden geht es vor allem um die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Verdi fordert unter anderem kürzere Arbeitszeiten ohne finanzielle Einbußen, längere Ruhezeiten zwischen einzelnen Schichten, mehr Urlaubstage oder mehr Urlaubsgeld.

Damit sollen die Beschäftigten entlastet und die Berufe im Nahverkehr attraktiver werden. Sämtliche Verkehrsunternehmen leiden unter Personalmangel. Insbesondere Busfahrerinnen und Busfahrer sind schwer zu finden. Die Berliner Verkehrsbetriebe sind aus diesem Grund seit Monaten mit einem eingeschränkten Busfahrplan unterwegs.

In einigen Bundesländern wird auch Bezahlung verhandelt

In Brandenburg, im Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird auch über höhere Löhne und Gehälter verhandelt. Verdi fordert zum Beispiel in Bandenburg 20 Prozent mehr pro Monat für die Beschäftigten, mindestens aber 650 Euro. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll laut Verdi ein Jahr betragen. In Hamburg wird über einen neuen Haustarifvertrag für die Verkehrsbetriebe verhandelt.

Verdi und Fridays For Future arbeiten bereits seit einiger Zeit zusammen, unter anderem in der Kampagne „Wir fahren zusammen“. Auch beim Warnstreik Anfang Februar mischten sich an zahlreichen Streikposten junge Aktivistinnen und Aktivisten unter die Beschäftigten. Die Anfahrt zu den Klimademonstrationen, die ebenfalls am 1. März stattfinden sollen, dürfte vielerorts durch den Warnstreik deutlich schwieriger werden.

Die neuen Warnstreiks reihen sich ein in eine länger werdende Liste an Arbeitskämpfen im Verkehr in diesem Jahr. Neben den ÖPNV-Warnstreiks gab es zwei mehrtägige Arbeitskämpfe bei der Bahn und zuletzt auch mehrere Arbeitsniederlegungen im Flugverkehr.

(dpa/dly)
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