Umweltbundesamt fordert höhere Preise und Pfandsystem für Kaffeebecher

Studie des Umweltbundesamts : Einwegbecher werden zunehmend zum Problem

Kaffeebecher sind ein Umweltproblem. Experten des Umweltbundesamtes fordern deshalb eine Verteuerung der Becher sowie ein Pfandsystem.

Kaufen, trinken, wegschmeißen – das ist das Prinzip des Kaffees zum Mitnehmen, „Coffee to go“ genannt. Das alles geschieht statistisch gesehen in nur 15 Minuten, so das Umweltbundesamt (UBA) in einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie. Die Einwegbecher werden zunehmend zum Umweltproblem. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie groß ist das Aufkommen?

Es muss heutzutage schnell gehen. Die Arbeits- und Lebensbedingungen haben sich erheblich verändert, so dass immer mehr Menschen auf „Außer-Haus-Verzehr“ setzen. Auch bei Erfrischungs- und Heißgetränken. Laut der UBA-Studie wurden 2,8 Milliarden Einwegbecher im Jahr 2016 für Kaffee & Co. genutzt, das sind 34 Becher pro Einwohner. Zusätzlich fielen noch 1,3 Milliarden Kunststoffdeckel an. Die Erhebung des Amtes fußt auf der Neu-Analyse vorhandener Daten und einer repräsentativen Online-Befragung.

Was sind die Folgen?

Immer mehr Einwegbecher verschmutzen Plätze, Straßen und die Natur. Das Problem wird „Littering“ genannt, also das achtlose Wegwerfen der Abfälle im öffentlichen Raum. Die Beseitigung kostet die Kommunen viel Aufwand und Geld. Das UBA hat nachgerechnet: 28 000 Tonnen Müll entstehen durch den Konsum von Heißgetränken in Einwegbechern. Davon sind 18 800 Tonnen Papier, Pappen, Kartonagen, die verbleibenden 8 900 Tonnen sind Kunststoff.

Was schlagen die Experten vor?

Vor allem die Einrichtung eines Pfandsystems. Dadurch könne die Menge der Becher binnen zwei bis drei Jahren um die Hälfte reduziert werden. Den Experten schweben 25 Cent vor, damit die Gefäße nicht mehr achtlos in die Umwelt geworfen werden. Die UBA-Forscher berechneten zudem, dass ein Pfandbecher mindestens zehnmal, am besten sogar mehr als 25 Mal in Umlauf kommen sollte, um das Müllproblem zu lösen.

Wird auch eine Verteuerung des „Coffe to go“ vorgeschlagen?

Ja. Einwegbecher sollten demnach mit einer zusätzlichen Abgabe von 20 Cent belegt werden, die zugehörigen Deckel mit zehn Cent. Das Geld soll von den Cafés, Kiosken und Bäckereien dann zur Entsorgung der Becher und die Reinigung der Umwelt beigesteuert werden, und zwar über einen neuen „Littering-Fonds“.

Wie kann man dem Aufschlag entgehen?

Ganz einfach: Indem man seinen Mehrwegbecher mitbringt und füllen lässt. Wer das macht, soll einen Preisnachlass von zehn oder 20 Cent pro Heißgetränk erhalten. Das ist der Studie zufolge in vielen Cafés freilich schon der Fall. Daneben sollen auch andere Bonus- und Rabattsysteme zum Einsatz kommen, wie etwa eine kostenlose Erstbefüllung beim Kauf eines Mehrwegbechers.

Welche Reaktionen gibt es auf die Vorschläge?

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) erklärte, es gehe darum, Einwegverpackungen so weit wie möglich zurückzudrängen. „Die Kosten können stärker auf die zugespitzt werden, die dies verursachen.“ Wie, ließ sie offen. Zudem wolle man ein Mehrwegsystem ausbauen. Laut Umwelthilfe ist die Neigung großer Coffee-to-go-Ketten jedoch nicht groß, sich an verbraucherfreundlichen Pfandregelungen zu beteiligten. „Das ist jedoch notwendig, damit eine Flächendeckung bei den Rückgabestellen erreicht wird“, so der Verband. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte: „. Wir brauchen eine Abgabe auf Einwegbecher, die echte Anreize zur Abfallvermeidung setzt.“

Die Studie ist zu finden unter: www.umweltbundesamt.de

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