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Uber-Chef Christoph Weigel im SZ-Interview

Neue Mobilität : „In der Personenbeförderung Effizienzen heben.“

In über 650 Städten weltweit bietet Uber an. Das Konzept ist einfach: Nutzer geben über die App ihr gewünschtes Ziel an, werden über die Wartezeit und den Preis benachrichtigt. über zehn Millionen Fahrten pro Tag bieten die rund zwei Millionen selbstständigen Uber-Fahrer an. Zum Ärger der Taxi-Unternehmen. Uber-Chef Christoph Weigler erklärt, wie Uber sich die Zukunft vorstellt.

Herr Weigler, warum ist es sinnvoll, immer seltener auf das eigene Auto zurückzugreifen?

WEIGLER Die Antwort ist einfach: Die Städte sind voll, viel Zeit geht mit der Parkplatzsuche verloren, die Menschen in Deutschland stehen umgerechnet mehr als zwei Wochen pro Jahr im Stau. Insofern ist es mehr als sinnvoll, auf alternative Verkehrsangebote zurückzugreifen.

Also auf den Öffentlichen Nahverkehr?

WEIGLER Grundsätzlich ja: Wenn es um die Beförderung vieler Menschen geht, ist der ÖPNV eindeutig die effizienteste Alternative. Aber in der Realität sehen wir, dass der ÖPNV allein nicht ausreicht, um das Mobilitätsbedürfnis der Menschen zu befriedigen. Deshalb sehen wir uns mit Uber als Schnittstelle zwischen Individualverkehr und ÖPNV.

Wenn Sie die Entwicklung der Autotechnik anschauen, ist es möglich, dass Sie bald keine Fahrer mehr brauchen, sondern nur noch auf autonomes Fahren setzen?

WEIGLER: Das autonome Fahrzeug hat tatsächlich großes Potenzial und wir investieren auch viel in die Forschung in diesem Bereich. Aktuell haben wir in den USA autonome Fahrzeuge im Einsatz und werden das sicherlich noch ausweiten. Grundsätzlich spricht schon aus Sicherheitsgründen viel für autonomes Fahren: 90 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen.

Der Aspekt, dass Sie sich den Fahrer sparen, ist natürlich auch nicht von der Hand zu weisen.

WEIGLER Unser Ansatz ist es, bezahlbare und verlässliche Mobilität anzubieten. Und natürlich wird es für den Verbraucher auch günstiger sein, wenn er sich eine Autofahrt ohne Fahrer bestellen kann. Ich persönlich glaube aber, dass es immer eine Mischflotte geben wird. da es sehr lange dauern wird, bis alle Autos auf der Straße autonom unterwegs sind.

Hilft die Entwicklung des autonomen Fahrens auch Ihrem Service?

WEIGLER Autonome Fahrzeuge ergeben vor allem dann Sinn, wenn sie geteilt werden. Ein autonomes Fahrzeug, das neun Stunden auf einem Parkplatz steht, wäre eine große Verschwendung. Insofern ja, selbstfahrende Autos und unsere IT-Plattform passen gut zusammen.

In Europa, vor allem in Deutschland haben Sie viel Gegenwind bekommen. Vor allem die Taxifahrer sind auf die Barrikaden gegen das Uber-Geschäftsmodell gegangen.

WEIGLER In Deutschland sind wir mit einem Modell gestartet, das mit dem Rechtsrahmen nicht kompatibel war. Das ist richtig. Jetzt haben wir ein Modell, das diesen modernisierungsbedürftigen Rechtsrahmen berücksichtigt, das aber dadurch weniger flexibel und effizient ist. Während wir in Amerika mit vielen privaten Fahrern zusammenarbeiten, sind es in Europa nur professionelle Fahrer. Das funktioniert in Städten wie Paris und London auch wunderbar, allerdings ist die deutsche Regulierung auch für Profis sehr restriktiv. Der einzige Nachteil an der Zusammenarbeit ausschließlich mit professionellen Fahrern ist aber, dass wir nicht so gut in die Fläche gehen können. In den USA gibt es viele Fahrer, die nur wenige Stunden pro Woche fahren, immer dann, wenn es ihnen die Zeit erlaubt. In Deutschland wäre das wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Warum nicht?

WEIGLER Wenn Sie heute als Fahrer arbeiten wollen, ist das ein Prozess, der Sie sechs Monate kostet. Nachdem Sie alle Lizenzen erlangt haben, müssen Sie in Deutschland immer noch mit Bestimmungen wie der Rückkehrpflicht oder dem Pooling-Verbot zurechtkommen. Das ist für viele eine unangemessen hohe Komplexität. Wir arbeiten deshalb viel mit ehemaligen Taxi-Fahrern zusammen, die die Voraussetzungen schon haben.

Vermittelt Uber denn auch Taxis?

WEIGLER In Berlin arbeiten wir tatsächlich auch mit 1500 Taxis zusammen. Allerdings sind diese dann an den Taxi-Tarif gebunden. Unser Ziel ist es ja, bezahlbare Preise zu ermöglichen, da wir auch neue Nachfrage-Schichten erreichen wollen. Wir setzen deshalb vor allem auf das Mietwagen-Modell mit Chauffeur, weil dies die nötige Tarif-Flexiblität erlaubt. Unser Ziel ist es, durch höhere Effizienz die Leistung preiswerter zu machen. Ich denke, dass wir die Menschen nur so davon überzeugen können, ihr Auto auch mal stehen zu lassen oder sich vielleicht gar kein neues mehr zu kaufen.

Ihnen wird auch Rosinenpickerei vorgeworfen. Dass Sie in die Städte gehen, dorthin, wo es sich lohnt. Und nicht auf das Land.

WEIGLER Wie schon gesagt, muss man sich dafür anschauen, was das Geschäftsmodell ermöglicht, und was im deutschen Rahmen möglich ist. Ich denke, dass unser Geschäftsmodell insgesamt für ein Angebot auf dem Land durchaus sinnvoll ist. Wir haben das bei einem Pilotprojekt in Kroation und an der Algarve getestet. Obwohl es dort sicher nicht den Verkehr einer Großstadt gibt, ist das Angebot dort gut angenommen worden. In Deutschland wird ein Fahrer, der den mühsamen Zulassungsprozess durchlaufen hat, seine 40 Stunden pro Woche fahren wollen – und nicht nur ein paar Fahrten auf dem Land. Das zeigt sich ja auch an der Taxi-Verfügbarkeit: Selbst der Taxiverband in Deutschland sagt, dass es in 20 Prozent der Gemeinden keine Abdeckung gibt. Das professionelle Modell lohnt sich bei so geringer Nachfrage einfach nicht.

Wann wird Uber in Saarbrücken starten?

WEIGLER Ich wünschte, ich könnte einen konkreten Zeitpunkt nennen. Natürlich ist klar, dass wir in mehreren Städten sein wollen, und Saarbrücken ist auch ein spannender Markt für uns. Aber wir fokussieren uns erst einmal auf Berlin und München, bevor wir die nächsten Städte angehen. Und Saarbrücken wird möglicherweise auch nicht gleich die dritte Stadt sein. Wir schauen schon, wo wir gefragt sind. In Düsseldorf gab es beispielsweise im ersten Halbjahr 150 000 Versuche, eine Fahrt zu bestellen, obwohl es Uber dort noch gar nicht gibt. Saarbrücken lag da schon ein wenig drunter.